Ausgabe 1 // 2026 Februar (Vorschau) | Arbeitsschutz - aber sicher!

// 1 AUSGABE 1 2026 FEBRUAR Sicheres Arbeiten in der Höhe – Fachbeiträge und Interviews Für Wonder Grip ist Verantwortung nicht verhandelbar Gefährliches ist Metier der Safety Rockstars TITELSTORY: SICHERHEIT AUF DEM DACH GANZHEITLICH DENKEN

2 // ARBEITEN IN DER HÖHE. Finden Sie die passende Handschutzlösung bei Wonder Grip® KONTROLLE IST ENTSCHEIDEND.

// 3 ED I TOR I AL informationen im Internet, die ohne geprüft zu werden einfach übernommen werden, und birgt in extremen Fällen auch Gefahren. Denn hinter der KI steckt ja meist ein Mensch, der einen Auftrag an die KI gegeben hat. Und wenn da bewusst Fehlinformationen über vermeintlich vertrauensvolle Quellen verbreitet werden und dazu animieren, irgendwelche Dinge zu tun oder zu lassen, kann das böse Konsequenzen haben – vielleicht nur für den Geldbeutel, weil man der Investitions-Empfehlung eines Promis auf Social Media gefolgt ist, vielleicht für die Gesundheit, weil der nächste Promi diese oder jene Wunder-Arznei empfohlen hat. Abgesehen davon denke ich, dass KI bei vielen die Faulheit fördert. Klar, sie soll eigentlich ermöglichen, dass sich der Mensch wichtigeren Dingen zuwendet, als meinethalben einen Bericht zu schreiben. Wenn allerdings Schüler sich die Hausaufgaben formulieren lassen und stattdessen lieber zocken oder was anderes tun, ist das nicht gut. Auch die Unsitte grade bei Texten auf KI generierte Beiträge zurückzugreifen, macht solche Artikel beliebig und austauschbar. Zumal ich behaupte, in den meisten Fällen ist es schnell lesbar, wenn ein Beitrag von KI formuliert wurde. Das Persönliche, das einen guten Text ausmachen sollte, bleibt da immer auf der Strecke. Das Fachmagazin Arbeitsschutz – aber sicher! greift auch auf KI zurück, aber lediglich zu Recherche-Zwecken. Sie werden hier keine künstlich formulierten Beiträge finden. Wenn wir zu einem Termin waren, eine Veranstaltung besucht haben oder ein Gespräch führten, ist es unserer Meinung extrem wichtig, die subjektiven und individuellen Eindrücke wiederzugeben. Klar ist es schön und auch mal witzig, wie in dem in dieser Ausgabe vorliegenden Beitrag auf Seite 32 künstlich generierte Bilder einzusetzen, aber Texte? Nein – niemals! Insofern darf ich Ihnen nun viel Lesevergnügen mit der vorliegenden Ausgabe von Arbeitsschutz - aber sicher! wünschen. Die Ausgabe beinhaltet sehr viele Meinungen, Interviews und Fachbeiträge – alle geben Stimmungen, Ansichten und Einstellungen wieder. Das zeichnet ein lebendiges und spannendes Miteinander aus – im realen Leben und eben auch in einem meinungsfreudigen Fachmagazin. Bleiben Sie gesund, Ihr Liebe Leserinnen und Leser, wie nutzen Sie eigentlich künstliche Intelligenz, sprich KI? Also für sich privat oder auch im Unternehmen? Wie gehen Sie damit um? Ich bin da ein wenig zwiegespalten. Natürlich ist es erst einmal positiv, quasi per Mausklick Abläufe in die Wege zu leiten – sei es eine Berechnung, eine Suche oder einen Hintergrund-Check. Grundsätzlich denke ich, dass KI den Alltag des Menschen erleichtern kann und sollte. Doch es folgt auch ein großes „Aber“. Denn wenn KI dazu führt, dass Menschen den eigenen Kopf ausschalten, kann das fatale Folgen haben. Das beginnt bei falschen, teils willkürlich verö f f en t - l ichten F eh l - Unserer Meinung nach ist es extrem wichtig, die subjektiven und individuellen Eindrücke wiederzugeben. // Foto: Camillo F. Kluge Camillo F. Kluge LEBENDIGES UND SPANNENDES MITEINANDER

4 // INHALT INHALT AUSGABE 1 // 2026 FEBRUAR // 3 Editorial // 6 Titelstory: Bei ABS Safety wird Sicherheit auf dem Dach ganzheitlich gedacht // 10 Kurz notiert Top-Thema: „Sicheres Arbeiten in der Höhe“ // 16 Interview: Keine Arbeit ist so dringend, dass sie unsicher ausgeführt werden muss // 19 Dachdecker und BG BAU haben gemeinsame Initiative gestartet // 20 Elmar Mette und Harald Dippe zur Aufwertung von PSAgA zum Rückhaltesystem // 22 Mit LUX-top sicher und erfolgreich denkmalgerecht saniert // 24 Fachbeitrag von Zarges: Wenn der Schacht zur Falle wird // 26 Sicherheit ist mehr als ein Klick im System erklärt „der Simon“ // 28 Ob Anwendung von PSAgA ein Frage der Motivation ist, sinniert Wolfgang Huwe // 30 Neues Hebezeug von RUD speziell für die Windenergie // 32 Linda Kaiser weiß, dass Sicherheit nicht am Gurt, sondern im Kopf beginnt // 35 Kunze ermöglicht schnelleres und flexibleres Agieren in der Höhe // 36 Norman Checker Höhen- und Absturzsicherung // 38 Virtuelle Höhenflüge und die Enterprise gibt es auf der Dach+Holz // 42 Aushängeschilder des Dachdeckerhandwerks gekürt // 43 Seminartage der Gerüstbauer voll kreativer Lösungen Persönliche Schutzausrüstung // 44 Bei Sport und Arbeit setzt Markus Stöckl mit BOA auf höchste Performance // 46 Interview mit Jenny Odqvist Kristensson, Produkt Managerin bei Woolpower // 48 Für Wonder Grip ist Verantwortung nicht verhandelbar // 32 // Fotos: ABS Safety, BOA, Linda Kaiser/Chat GPT // 44

// 5 // 6 // 50 Bei Heronic können die Kirschen aus dem Portfolio gepickt werden // 52 Wie ein Unternehmen durch den Wechsel zu Uvex eine Million britische Pfund einsparte Betriebs- und Baustellensicherheit // 54 Lösung von Timmer für die Gesundheit und einen attraktiven Arbeitsplatz // 55 Der Baustellen Coach // 56 Maschinen von Boels Rental mit ökologischer Verantwortung // 57 Porr meistert in Berlin die Herausforderung Sichtbeton // 58 Veranstaltungskalender INHALT Fachhandel und Dienstleistungen // 60 Alles, was gefährlich ist, ist Metier der Safety Rockstars // 62 Mit der Software von Secova das Sicherheitsbewusstsein etablieren // 63 AST Arbeitssicherheit bietet hohe Standards im Arbeitsschutz // 64 Digitale Plattform Arbeitsschutz 24 als innovativer Lösungsweg // 65 Firmenverzeichnis // 66 Vorschau / Impressum Folgen Sie uns auf:

6 // W arum Betreiberpflichten weiter gehen, als viele Gebäudeverantwortliche vermuten, und wie der Dach-Pflichten-Check des niederrheinischen Unternehmens ABS Safety hier neue Maßstäbe setzt. SICHERHEIT AUF DEM DACH GANZHEITLICH DENKEN

// 7 Das Dach ist ein komplexer Arbeits- und Gefahrenraum. Dachflächen werden in der Praxis häufig auf ihre Funktion als Gebäudeabschluss reduziert. Aus Sicht des Arbeitsschutzes greift dies jedoch zu kurz. Moderne Dächer sind hochkomplexe Arbeitsbereiche, in denen zahlreiche technische Anlagen installiert sind, die regelmäßig gewartet werden müssen: Klima- und Lüftungstechnik, Photovoltaik-Anlagen, Blitzschutzsysteme, Antennen- und Funkanlagen, Dachbegrünung oder Lichtkuppeln gehören längst zum Standard. Dach als Arbeitsort birgt Gefährdungspotential Damit ist das Dach nicht nur ein Bauteil, sondern ein regelmäßiger Arbeitsort und birgt dabei erhebliches Gefährdungspotenzial. Genau hier setzt ABS Safety an: Sicherheit auf dem Dach darf nicht punktuell gedacht werden, sondern muss ganzheitlich erfolgen. Zur ganzheitlichen Betrachtung zählen neben der fachgerechten Planung und ordnungsgemäßen Montage von Absturzsicherungen insbesondere auch die sichere Anwendung Beim Dach-PflichtenCheck begeht der Kunde mit seinem persönlichen Ansprechpartner das Dach und erhält vor Ort eine fachgerechte Einweisung. // Foto: ABS Safety durch unterwiesene Personen, die regelmäßige Wartung und Prüfung aller sicherheitsrelevanten Systeme sowie die Organisation und Steuerung aller Tätigkeiten auf der Dachfläche. Betreiberpflichten enden nicht bei Technik und Wartung Viele Gebäudebetreiber haben diese Punkte bereits auf dem Radar und setzen sie – zumindest teilweise – um. Was jedoch häufig unterschätzt wird: Die Betreiberpflichten

8 // TITELSTORY Wichtig: Schutzmaßnahmen müssen nicht nur vorhanden, sondern auch funktionsfähig, geprüft und richtig angewendet werden. Verantwortung bleibt beim Betreiber Ob Wartung, Reparatur oder Installation: In vielen Fällen arbeiten externe Dienstleister auf dem Dach. Die Verantwortung dafür trägt jedoch weiterhin der Gebäudebetreiber. Dazu gehört insbesondere die Auswahlverantwortung. Das bedeutet, der Betreiber muss die fachliche Eignung externer Firmen prüfen und sicherstellen. Ebenso besteht eine Einweisungspflicht, so muss er z. B. auf objektspezifische Gefahren hinweisen und die Nutzung vorhandener Infrastruktur erklären. Wenn mehrere Firmen gleichzeitig auf der Dachfläche tätig sind, besteht zudem noch eine Koordinationspflicht seitens des Betreibers. Gerade bei diesen Punkten entstehen in der Praxis häufig Haftungsrisiken, etwa durch unklare Zuständigkeiten, Unwissenheit oder fehlende Abstimmung. rische Gefährdungen, z. B. durch PV-Anlagen. Diese Bewertung erfolgt im Rahmen einer schriftlich dokumentierten Gefährdungsbeurteilung gemäß § 5 ArbSchG. Sie ist kein einmaliges Dokument, sondern muss regelmäßig überprüft und angepasst werden, z. B. bei Änderungen, wie neuen Anlagen oder geänderten Arbeitsabläufen. Zugänge sichern – Kontrolle beginnt vor dem Betreten Ein oft unterschätzter Punkt: Nicht jeder darf das Dach betreten. Dächer dürfen ausschließlich von befugten und unterwiesenen Personen genutzt werden. Daraus ergeben sich klare Anforderungen an die Zugangsorganisation, wie sichere Verkehrswege zum Dach, rutschhemmende Aufstiege und Durchstiege, als auch verschließbare Zugänge zur Vermeidung unbefugten Zutritts. Der Betreiber trägt die Verantwortung dafür, dass bereits der Weg auf das Dach sicher gestaltet und kontrollierbar ist. Schutzmaßnahmen umsetzen – Technik folgt der Bewertung Auf Basis der Gefährdungsbeurteilung sind geeignete Schutzmaßnahmen umzusetzen. Diese können je nach Dachtyp und Nutzung sehr unterschiedlich ausfallen. Typische Beispiele sind: • Geländer als permanente Dachkantensicherung • Anschlageinrichtungen zur Nutzung mit persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) • Sicherungsnetze oder Abdeckungen für Lichtkuppeln • Absperrungen von Gefahrenbereichen • Ein Rettungskonzept für den Ernstfall enden nicht bei Technik und Wartung. Sie umfassen ein deutlich breiteres organisatorisches und rechtliches Verantwortungsfeld. Hier entsteht in der Praxis eine gefährliche Lücke zwischen gutem Willen, technischer Ausstattung und tatsächlicher Rechtssicherheit. Genau diese Lücke möchte ABS Safety mit einem neuen Serviceprodukt schließen: dem ABS Dach-Pflichten-Check. Denn die zentrale Frage, die sich Gebäudebetreiber immer wieder stellen müssen, lautet: Wie kann ich rechtskonform sicherstellen, dass eigene Mitarbeitende und externe Firmen sicher auf dem Dach arbeiten können? Doch was muss bei der Nutzung der Dachfläche alles beachtet werden? Die rechtlichen Betreiberpflichten ergeben sich aus verschiedenen Gesetzen, Verordnungen und Regelwerken, unter anderem dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) sowie den Unfallverhütungsvorschriften der DGUV. Im Paragrafen-Dschungel kann man da schon mal leicht den Überblick verlieren. Im Kern geht es aber immer um eines: Gefahren erkennen, Risiken minimieren, Sicherheit organisieren und Personen vor Schaden bewahren. Gefährdungen bewerten – die Grundlage aller Maßnahmen Vor jeglicher Arbeit auf dem Dach müssen alle potenziellen Gefährdungen systematisch ermittelt und bewertet werden. Dazu zählen die auf den ersten Blick offensichtlichen Gefahren, wie Absturzgefahren an Dachkanten oder Durchbrüche. Aber auch z. B. Durchsturzrisiken an Lichtkuppeln, Witterungseinflüsse wie Wind, Nässe oder Hitze oder elektDer Dach-Pflichten-Check betrachtet das Dach nicht isoliert, sondern als organisiertes Gesamtsystem aus Technik, Mensch und Verantwortung. // Fotos (3): ABS Safety Werden die Betreiberpflichten nicht vollständig erfüllt, muss die Dachfläche gesperrt werden. // Grafik: ABS Safety Zutritt für Unbefugte verboten DACHZUGANG

// 9 TITELSTORY Kontrolle und Dokumentation – Sicherheit muss nachweisbar sein Betreiberpflichten enden auch nicht mit der Bereitstellung von Maßnahmen. Ebenso wichtig sind z. B. die regelmäßige Kontrolle der Einhaltung von Schutzmaßnahmen, das Eingreifen bei Gefahrensituationen durch das Weisungsrecht und das konsequente Nachgehen bei Fehlverhalten. Ein ebenso wichtiger, zum Teil auch mühseliger Punkt, sind die Dokumentation von Unterweisungen, Prüfungen und Wartungen. Denn im Ernstfall zählt nicht nur, was umgesetzt wurde, sondern auch, was nachweislich organisiert und kontrolliert wurde. Komplexität trifft Verantwortung Die Verantwortung von Gebäudebetreibern endet nicht mit dem Zutritt zum Dach. Sie umfasst die vollständige Verkehrssicherungspflicht, die Organisation von Wartungszyklen, das Erkennen neuer Gefährdungen und die kontinuierliche Einhaltung rechtlicher Vorgaben. In der Praxis bedeutet das: • Rechtssicherheit aktiv organisieren • Unterschiedliche Gewerke und Personen koordinieren • Sicherheitssysteme instand halten und dokumentieren • Im Notfall schnell und richtig reagieren können Diese Komplexität stellt viele Betreiber vor große organisatorische und rechtliche Herausforderungen. Insbesondere dann, wenn keine interne Fachkompetenz im Bereich Absturzsicherung vorhanden ist. Der ABS Dach-Pflichten-Check Genau an diesem Punkt setzt das neue Serviceprodukt von ABS Safety an: der ABS Dach-Pflichten-Check. Ziel des Services ist es, Betreiber und Sicherheitsverantwortliche von Beginn an dabei zu unterstützen, ihre Betreiberpflichten systematisch, nachvollziehbar und rechtssicher zu erfüllen. Der ABS Dach-Pflichten-Check betrachtet das Dach nicht isoliert, sondern als organisiertes Gesamtsystem aus Technik, Mensch und Verantwortung und stellt damit sicher, dass rechtskonform gehandelt wird. Im Rahmen des Checks werden unter anderem die Das Dach ist heute immer häufiger ein komplexer Arbeits- und damit auch Gefahrenraum. ... ist Referent für Unternehmens- und Markenkommunikation bei ABS Safety. In dieser Funktion beschäftigt er sich intensiv mit den Anforderungen an eine sichere, zukunftsfähige Dachnutzung. Durch die enge Zusammenarbeit mit Technik, Produktentwicklung und Praxisanwendern übersetzt er komplexe normative und sicherheitstechnische Inhalte in verständliche, praxisnahe Konzepte für Gebäudebetreiber, Planer und Fachhandwerk. Sein Fokus liegt darauf, Betreiberpflichten ganzheitlich zu betrachten und Sicherheitslösungen nicht isoliert, sondern als integralen Bestandteil moderner Gebäude- und Dachkonzepte zu vermitteln. Thomas Reykers vorhandene Dachinfrastruktur analysiert, Gefährdungen bewertet und dokumentiert, organisatorische Prozesse geprüft, rechtliche Anforderungen eingeordnet und daraus konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet. Das Ergebnis ist eine klare Übersicht darüber, wo Betreiber bereits gut aufgestellt sind und wo Handlungsbedarf besteht. Im Fokus steht dabei, dass das Ergebnis besonders leicht verständlich, praxisnah und umsetzungsorientiert ist. Gleichzeitig sorgt der ABS Dach-PflichtenCheck für eines der wichtigsten Ziele im Arbeitsschutz: mehr Sicherheit für alle Personen, die auf dem Dach arbeiten, egal ob eigene Mitarbeitende oder externe Fach- firmen.

10 // KURZ NOTIERT KURZ NOTIERT Transparenz in Umweltfragen // Grafik: HB Protective Wear Von der globalen und gemeinnützigen Umweltorganisation Carbon Disclosure Project (CDP) wurde HB Protective Wear für seine besondere Transparenz in Umweltfragen und Nachhaltigkeit und sein hohes Umweltbewusstsein ausgezeichnet. Der inhaltliche Schwerpunkt des CPD-Fragebogens liegt auf zentralen Klimathemen wie der Erfassung von Emissionen, dem Umgang mit Klimarisiken sowie der Definition grundlegender Ziele und Maßnahmen. HB wurde für seinen systematischen Ansatz und die daraus resultierenden Maßnahmen mit der Note B bewertet – der höchsten Einstufung, die im Rahmen des KMU-Assessments erreicht werden kann. // Foto: Antholzer Weiter an die Lilien gebunden Der weltweit anerkannte Spezialist für Funktionsschuhe und -bekleidung Haix hat seinen Vertrag als Haupt- und Trikotsponsor des SV Darmstadt 98 verlängert und bleibt mindestens bis Juni 2027 Partner der Lilien. „Diese Vertragsverlängerung ist für uns ein klares Bekenntnis zum SV Darmstadt 98 – und zu einer Partnerschaft, die auf gemeinsamen Werten basiert. Uns verbinden Bodenständigkeit, Kontinuität und der feste Wille, uns langfristig gemeinsam weiterzuentwickeln“, sagte Michael Haimerl, (2. v. r.) Gesellschafter und Geschäftsführer von Haix. Die Vertreterversammlung der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG Etem) beschloss den Haushaltsplan für 2026 und rechnet mit Ausgaben in Höhe von 1,743 Milliarden Euro. Das sind 2,4 Prozent mehr als 2025. Für die Rehabilitation und die Entschädigung von Verletzten und Erkrankten nach Arbeitsunfällen, Unfällen auf dem Arbeitsweg und bei Berufskrankheiten sind insgesamt 1,121 Milliarden Euro veranschlagt. Davon sind allein 642 Millionen Euro für die Zahlung von Renten und Abfindungen vorgesehen. „Finanzielle Stabilität ist unser langfristiges Ziel", sagt Jörg Botti, Hauptgeschäftsführer der BG Etem. Ermöglicht wird die finanzielle Stabilität insbesondere durch sinkende Unfallzahlen. Stabilität durch sinkende Unfallzahlen // Foto: BG Etem Drei Premium- Hersteller aufgenommen Das Mobilitätsportal fürs Handwerk SDH nimmt nun drei weitere Premium-Hersteller in ihr Markenangebot auf: BMW, FUSO und MAN. Mit dem Ausbau des Partnernetzwerks profitieren gewerblich tätige Handwerker künftig von Sonderkonditionen bei insgesamt 33 Fahrzeugmarken – eine deutliche Stärkung der Vielfalt innerhalb der SDH-Vorteilswelt. Zentral verhandelte Rahmenverträge ermöglichen Nachlässe, die sonst vor allem Unternehmen mit großen Fuhrparks vorbehalten sind. // Foto: SDH // Foto: SV Darmstadt 98 Als „Bester Arbeitgeber Niederbayern“ in der Kategorie Personalentwicklung (5-99 Mitarbeiter) wurde jetzt der Premium-Lieferant für Arbeits- und Teambekleidung Antholzer ausgezeichnet. Der Wettbewerb würdigt Unternehmen, die durch gelebte Unternehmenskultur, innovative Personalentwicklung und authentische Arbeitgebermarken überzeugen. Die Bewertung erfolgte nach einem umfassenden Fragebogen und einem Vor-Ort-Besuch. Fragebogen und Vor-Ort-Besuch Aktuell beschäftigt das Familienunternehmen 47 Mitarbeiter, davon sechs Auszubildende.

// 11 Ein Plus in allen Bereichen Auch im Geschäftsjahr 2025 steigerte die Munk Group mit Sitz in Günzburg und Leipheim den Umsatz und investierte in ein neues Kundenzentrum und ein Produktionswerk. Im Sommer wurde die Eröffnung des // Foto: Munk Group Führungsstruktur wurde gestärkt Seine Führungsstruktur in Zentraleuropa stärkt Fristads Workwear jetzt mit dem neuen Managing Director Central Europe Michael Kuen (Foto). Er verantwortet nun die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens in der DACH-Region. Kuen verfügt über eine langjährige internationale Management- und Vertriebserfahrung in Industrie- und Handelsunternehmen. Diese Erfahrungen haben ihm ein tiefes Verständnis für komplexe Märkte, Kundenbedürfnisse und nachhaltige Partnerschaften vermittelt. // Foto: Fristads neuen Kundenzentrums in Günzburg mit einer 540 qm großen Ausstellungshalle gefeiert. Mit dem „Werk 4“ wurde zudem eine neue Produktionsstätte in der benachbarten Lochfelbenstraße auf einer Gesamtfläche von 17.000 qm in Betrieb genommen. Diese dient als neue Heimat für die Munk Profiltechnik sowie die Produkte der Online-Konfiguratoren und bietet der Gruppe Raum für weiteres Wachstum. „Dass wir das Jubiläumsjahr zum 125-jährigen Bestehen mit einem Plus in allen Bereichen abschließen können, freut mich ganz besonders“, sagt Ferdinand Munk (r.), Inhaber und Geschäftsführer der Munk Group. Konsequentes Engagement gewürdigt Nach dem Gewinn des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2025 in der Kategorie Produkte – Klima wurde Pervormance international in diesem Jahr in der Kategorie Unternehmen – Gesundheit und Soziales / Medizintechnik nominiert – und erzielte auf Anhieb eine Top-3-Platzierung. Bei der feierlichen Verleihung wurde das Ulmer Unternehmen als Finalist ausgezeichnet. Die Urkunde überreichte // Foto: Pervormance Dr. Otto Schulz, Vorstandsmitglied der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis, an die Geschäftsführerinnen und Gründerinnen Gabriele Renner (l.) und Sabine Stein (r.). Die erneute Anerkennung würdigt das konsequente Engagement des Unternehmens für eine nachhaltige, gesundheitsorientierte und klimafreundliche Zukunft.

12 // KURZ NOTIERT KURZ NOTIERT Viele Neuheiten im neuen Katalog Mit der Kollektion 2026 stärkt Gustav Daiber sein Corporate-Fashion-Portfolio mit neuen Designs. Insgesamt 41 Produktneuheiten erweitern das Sortiment und verbinden durchdachte Funktionalität und zeitloses Design mit umweltfreundlichen Materialien. Alle Neuhei- // Foto: Daiber ten sind ab sofort erhältlich und werden im klimaneutralen Hauptkatalog 2026 präsentiert. Mit Kollektion und Katalog unterstreicht Daiber einmal mehr seinen Anspruch, moderne Corporate Fashion mit Verantwortung für Umwelt und Zukunft zu verbinden. // Foto: Nordwest Neue Kataloge für Fachhandelspartner Zwei neue Kataloge stellte jetzt Nordwest vor. Nach der Umstellung der Exklusivmarke Promat auf Tecwerk ist nun erstmalig ein Tecwerk-Produktkatalog (Foto) in gedruckter und digitaler Form erschienen, um mit der Exklusivmarke in ein starkes Jahr 2026 zu starten. Auf rund 620 Seiten präsentiert der neue Tecwerk-Katalog eine umfassende Übersicht über das aktuelle Produktsortiment der Exklusivmarke. Wer mehr haben möchte als nur die Exklusivmarke greift auf den ebenfalls druckfrisch erschienenen Werkzeugtechnik-Katalog 2026/2027 zurück. In dieser Ausgabe erwartet Fachhandelspartner und ihre Kunden auf rund 2.300 Seiten ein umfangreiches Sortiment von ca. 37.500 Artikeln – inklusive der Tecwerk-Produkte. Die seitens des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) geplante Abschaffung und Reduzierung der Sicherheitsbeauftragten in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sieht der TÜV-Verband kritisch und warnt vor den potenziellen Folgen für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten. „Der angestrebte Bürokratieabbau und eine Entlastung der Wirtschaft sind begrüßenswert, aber wir dürfen das Kind nicht mit dem Bade ausschütten“, sagt Claudia Tautorus, Fachbereichsleiterin Industrie und Anlagentechnik beim TÜV-Verband. „Eine weitreichende Absenkung von Arbeitsschutzstandards erhöht die Gesundheitsrisiken für die Beschäftigten.“ Konkret plant das BMAS die Verpflichtung zur Bestellung von Sicherheitsbeauftragten in Betrieben mit weniger als 50 Mitarbeitenden abzuschaffen und in Betrieben mit bis zu 250 Beschäftigten auf eine Person zu begrenzen. Diese Maßnahme würde rund 123.000 ehrenamtliche Sicherheitsbeauftragte in Deutschland betreffen. Folgen für Sicherheit und Gesundheit Hohe Auslastung bereits aufgefangen Durch eine angemietete Halle, die direkt an das Ausbildungsgelände anschließt, hat die AST Arbeitssicherheit ihre Schulungsfläche im vergangenen Jahr um insgesamt 3.500 Quadratmeter Innen- und Außenfläche erweitert - auch der Fuhrpark wurde mit weiteren Übungsstaplern vergrößert. „Durch die Anmietung einer weiteren Halle konnten wir die hohe Auslastung bereits im Sommer auffangen“, so AST-Geschäftsführerin Angelika Müller. Mit knapp 5.000 Schulungsteilnehmern konnte das Unternehmen die Anzahl der Kunden im Jahr 2025 um rund zwölf Prozent steigern. // Foto: AST Arbeitssicherheit Hervorragende thermische Performance Mit dem WTiN Innovate Textile Award in der Kategorie Material Innovation wurde jetzt Outlast Technologies für aerogelbasierte Isolierungstechnologie Aersulate ausgezeichnet. Der Preis würdigt herausragende Leistungen bei der Entwicklung zukunftsweisender Materialien und textilen Innovationen. Aersulate erweitert die Leistungsfähigkeit textiler Isolierungssysteme deutlich. Durch den hohen Aerogelanteil nutzt die Technologie dessen hochporöse Struktur zur effizienten Lufteinschließung und erreicht so eine hervorragende thermische Performance bei minimaler Materialdicke bzw. geringem Gewicht. Aerogel ist schwer zu verarbeiten, da es sich schnell in der Luft verteilt. // Foto: Outlast Technologies

// 13 www.lux-top.com STAY SAFE! Wir sind einer der führenden Hersteller von Absturzsicherungssystemen in Europa und bieten perfekt durchdachte System- lösungen. DER SPEZIALIST FÜR ABSTURZSICHERUNGEN 24.–27. Feb. 2026 Halle 8, Stand 313 DACH + HOLZ in Köln

14 // IN DER HÖHE ARBEITEN SICHERES

// 15 // Foto: Edelrid Der Schutz vor Absturz genießt bei Tätigkeiten in der Höhe allerhöchste Priorität. Daher ist vor Beginn der Arbeiten unbedingt eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, um Risiken wie ungesicherte Kanten, Witterungseinflüsse oder ungeeignete Arbeitsmittel zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Auch das STOP-Prinzip umzusetzen kann eine Empfehlung sein, das heißt: Absturz möglichst vermeiden (z. B. durch Arbeiten vom Boden), technische Schutzmaßnahmen nutzen (Geländer, Gerüste, Fangnetze), organisatorische Maßnahmen festlegen (Unterweisung, Zugangsbeschränkung) und erst zuletzt persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) einsetzen. Arbeitsmittel wie Leitern, Gerüste oder Hubarbeitsbühnen müssen geeignet, geprüft und korrekt verwendet werden. Beschäftigte sind regelmäßig zu unterweisen und müssen körperlich geeignet sein. In Deutschland sind neben dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) insbesondere die Technischen Regeln für Betriebssicherheit, z. B. TRBS 2121 „Gefährdung von Beschäftigten durch Absturz“, sowie die DGUV Vorschriften und Regeln, etwa DGUV Vorschrift 1 und DGUV Regel 112-198/199 zu beachten, um sicheres Arbeiten in der Höhe zu gewährleisten. cfk

16 // TOP THEMA Vielleicht können Sie einmal kurz skizzieren, was zu den Aufgaben eines Dachdeckers gehört. Philip Witte: Der Aufgabenbereich ist sehr komplex. Das beginnt bei kleinen Instandhaltungsmaßnahmen oder einfach nur Pflege und Wartung, eine Rinnenreinigung im Herbst oder mal eine defekte Dachpfanne austauschen. Aber dazu zählt auch die komplette energetische Sanierung vom Dach oder der Einbau einer Gaube, das Thema Abdichtung gehört dazu, wir bespielen das Thema Steildach mit sämtlichen Materialien, von Betondachsteinen bis hin zu Reet. Zumal heute ein Dach mehr leistet, als den Niederschlag abzuhalten. Witte: Genau. Heute findet sich da viel Technik, stehen da PV-Anlagen, auch das Gründach bedingt eine höhere Wartungsintensität. Das heißt, ich bin häufiger auf der Fläche unterwegs, vielleicht auch andere Gewerke. Aber es ist egal, welches Gewerk: Wer fällt, der fällt – da spielt es keine Rolle, ob das ein Dachdecker ist, ob das ein Klempner ist, ein Zimmerer oder ein Hausmeister, das ist so oder so ungünstig, wenn einer herunterfällt. Dagegen soll man sich auf dem Dach ja schützen. Witte: Ich bin ein Fan der DGUV Information 201-056 „Schutzmaßnahmen gegen Absturz auf Dächern - Planungsgrundlagen zur Auswahl von Absturzschutzsystemen auf Dächern“ und plädiere somit immer für Kollektivschutz. Zumal persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) ja auch häufig ein wenig herausfordernd in der Anwendung ist. Zudem herrscht, wenn ein Handwerker auf ein Bestandsdach geht, wo ein anderer eine Anschlageinrichtung verbaut hat, schon eine gewisse Grundskepsis. Ich kann ja nicht viel machen, außer dass ich den Anschlagpunkt angucke, vielleicht mal ein bisschen dran rüttele, ob das für mich noch fest wirkt. Anschlageinrichtungen werden doch regelmäßig geprüft und gewartet. Witte: Sofern keine Unterlagen über die Montage und Instandhaltung von Anschlageinrichtungen vorhanden sind, sollte mit erhöhter Vorsicht gearbeitet oder weiterführende Maßnahmen ergriffen werden. Wo liegen denn die Hauptgefahren für den Dachdecker? Witte: Alles, was mit Übergängen zusammenhängt, birgt immer ein Risiko. Darum predigt die BG BAU seit Jahren, nicht über die Leiter aufs Dach zu steigen, weil die Leiter nach wie vor ein sehr hohes Unfallrisiko birgt. Aber zeigen Sie mir ein Dachdeckerauto, wo keine Leiter drauf liegt. Ich glaube, viele von den kleineren Unfällen passieren tatsächlich durch dieses „Ich mach mal eben schnell“. Hier muss man irgendwann abwägen, ist es das einem wert, wenn man dann mit gebrochenem Bein nachher irgendwo unten liegt? Beim Thema Absturz ist es in der Tat der Durchsturz. Wir haben mit der BG BAU eine Kampagne gestartet, die heißt „Sicher auf dem Dach“, um weiter zu sensibilisieren. Wo liegt da der Fokus? Witte: Tatsächlich wird da das Thema Durch- ... ist Bereichsleiter Messe & Marketing beim Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Philip Witte // Foto: ZVDH KEINE ARBEIT IST SO DRINGEND, DASS SIE UNSICHER AUSGEFÜHRT WERDEN MUSS Bei Arbeiten in der Höhe zählen die Dachdecker sicher zu den ersten Berufen, die einem in den Sinn kommen. Dazu die anstehende Messe Dach + Holz waren gute Argumente, einmal ein intensives Gespräch über die Dachdecker zu führen. Philip Witte, Bereichsleiter Messe & Marketing beim Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks, und Maximilian Schmitz, Geschäftsführer Dachdecker-Verband Nordrhein, stellten sich den Fragen der Redaktion. sturz intensiv behandelt. Im Dachdeckerhandwerk sind wir zu etwa 65 Prozent in der Sanierung unterwegs. Damit meine ich jetzt nicht die Komplettsanierung, sondern wirklich kleinere Sachen, wo wir im Bestand arbeiten. Daher finden wir da oft kein Dach vor, das unter Sicherheitsaspekten so aufgebaut ist, wie man es heute machen würde. Da gibt es dann diese alten Lichtkuppeln beispielsweise oder Dächer, die eine trügerische Sicherheit versprechen, zumal ich vielleicht gar nicht

// 17 TOP THEMA weiß, was eigentlich unter der obersten Schicht ist. Vieles beim Arbeitsschutz baut eben auf Vermutungen auf – auch die Gefährdungsbeurteilung, bei der jede Baustelle individuell bewertet werden muss. Als Beispiel nehme ich noch einmal die Leiter: Eine korrekte Leiter nach TRBS 2121 hat zum Beispiel immer eine Standfußverbreiterung. Es gibt aber keine direkte Pflicht, die nachzurüsten. Ich darf meine aktuelle Leiter noch verwenden, wenngleich ich, wenn ich meine Gefährdungsbeurteilung erstelle, zum Schluss kommen müsste: „Hör mal, das ist aber hier nicht mehr Stand der Technik. Ich müsste an sich da mal investieren, irgendeine Prämie in Anspruch nehmen und mir eine neue Leiter kaufen.“ Aber gucken Sie sich morgens im Straßenverkehr die kleinen Transporter an und zählen Sie mal durch, wie viele von denen eine Standfußverbreitung haben und wie viele nicht. Insofern ist „der Hauptgegner“ beim Thema Arbeitsschutz: „Das haben wir immer schon so gemacht.“ Ja, das ist der beliebteste Spruch, glaube ich. Witte: Genau, und darum ist das auch häufig so. Diejenigen, die frisch von der Schule kommen, die haben in der Ausbildung oft einen anderen und besseren Stand als die eigentlichen Altmeister-Betriebsinhaber. Dann gibt es so ein bisschen dieses Spannungsfeld: An sich müsste der junge Mensch sagen, „hör mal, das geht doch so an sich nicht“. Das traut sich natürlich auch nicht jeder direkt, aber grundsätzlich glaube ich, haben wir schon so einen kleinen Sinneswandel mit der neuen Generation, die mehr auf Sicherheit achtet. Zumal jeder Arbeitsunfall auch, das muss man leider sagen, bares Geld kostet. Die wenigsten sagen „klasse, da gibt es was Neues, ich will mich verbessern“. Haben wir auch, brauchen wir aber mehr von. Maximilian Schmitz: Sicherheitskultur ist längst kein „Extra“ mehr, sondern ein zentraler Teil moderner Ausbildung im Dachdeckerhandwerk. Ich finde, der folgende Satz bringt es auf den Punkt: Keine Arbeit ist so dringend, dass sie unsicher erledigt werden muss. Denn neben der Routine ist es oft der Zeitdruck, der Risiken wachsen lässt, etwa wenn das Wetter kippt oder ein Termin im Nacken sitzt. Die Azubis lernen im Dachdeckerhandwerk von Anfang an, dass sich Professionalität nicht im vermeintlichen Schnellsein zeigt, sondern im sicheren Arbeiten. Das heißt, Sicherheit nimmt eine wachsende Rolle ein? Witte: Ja, aber wir forcieren das auch. Wir haben mit der BG BAU den Kalender „Sicherheit ganz oben“ veröffentlicht, einen kleinen Unterweisungskalender. Der bietet für jeden Monat ein Thema, egal ob Staub, ob Lärm oder ob Durchsturz oder Leitern. Der Hintergedanke war, dass man sich im Betrieb bei einer Besprechung mit dem aktuellen Thema beschäftigt. Klingt gut. Witte: Wir glauben, wir müssen immer noch dran arbeiten, dass Arbeitssicherheit keine Hürde ist, kein Hindernis ist, sondern dass das einfach was ist, um den Betrieb zukunftsträchtig aufzustellen. Es gibt von der Handwerkskammer Aachen eine Umfrage unter Azubis, die meisten waren aus dem Dachdeckerhandwerk, was ihnen an dem Betrieb wichtig ist. Da stand natürlich das Gehalt ganz oben, aber an dritter oder vierter Stelle kam „sicheres Arbeiten“. Damit war nicht gemeint, dass ich einen sicheren Job habe, wir haben ja ein krisensicheres Handwerk, sondern dass ich meinen Job in einer sicheren Umgebung ausüben kann. ... ist Geschäftsführer des DachdeckerVerbands Nordrhein. Maximilian Schmitz // Foto: DDV-NR Das ist beachtlich. Schmitz: Wenn wir junge Menschen für das Dachdeckerhandwerk begeistern wollen, müssen wir erzählen, was das Dachdeckerhandwerk so besonders macht. Dazu zählen unter anderem die Themen Freiheit, frische Luft, Abwechslung und das gute Gefühl, etwas Sichtbares zu schaffen. In der neuen Präsentation unseres Nachwuchsgewinnungsausschusses auf Landesverbands- Das Thema Sicherheit auf dem Dach muss beim Verbraucher präsenter werden, fordert die Innung. // Foto: Franz Bachinger / Pixabay

18 // TOP THEMA ebene setzen wir jedoch bewusst einen zusätzlichen Akzent: Sicherheit. Als Landesverband stellen wir diese Präsentation Lehrlingswarten, Innungen und Betrieben zur Verfügung, damit sie aktiv an Schulen und auf Messen für das Dachdeckerhandwerk werben können. Denn Arbeiten am Dach bedeutet immer auch Arbeiten im potenziellen Risikobereich. Das muss in der Berufsorientierung offen benannt werden. Entscheidend ist aber, wie wir es einordnen. Wir zeigen von Beginn an, dass Sicherheit organisierbar ist, dass es klare Regeln, moderne Ausrüstung und verlässliche Begleitung gibt und dass der Betrieb Verantwortung übernimmt. Diese Klarheit schafft Vertrauen und macht den Schritt leichter, einen Betrieb kennenzulernen und einzusteigen. Viele Innungsbetriebe sind hier bereits sehr stark aufgestellt und übernehmen eine Vorreiterrolle. Wer sein Sicherheitskonzept transparent zeigt, sendet ein positives Signal: Professionalität, Fürsorge und Zukunftsfähigkeit. Was entgegnen Sie den beiden Arbeitern, die mit einer alten Holzleiter kommen, die auf zehn, zwölf Meter ausfahren, einer dann hochklettert, um die Dachrinne zu reinigen, der andere trotz feuchten Bodens nicht einmal die Leiter sichert, sondern telefonierend davon marschiert? Schmitz: Solche Bilder kennt man eher aus Regionen mit deutlich niedrigeren Arbeitsschutzstandards. In Deutschland darf das so nicht vorkommen. Gerade Innungsbetriebe stehen für Unterweisung, klare Abläufe und gelebten Arbeitsschutz. Und investieren viel in Ausrüstung und sichere Abläufe, gerade weil Arbeiten in der Höhe besondere Verantwortung verlangt. Genau das ist Teil unserer gelebten Sicherheitskultur. Gleichzeitig erleben wir leider auch Marktteilnehmer, die Arbeitsschutz als „lästige Pflicht“ behandeln. Das ist nicht nur gefährlich, sondern auch unfair gegenüber den Betrieben, die sauber und verantwortungsvoll arbeiten. Wenn uns solche Fälle gemeldet werden, geben wir die Informationen an die zuständigen Stellen weiter, insbesondere an die BG BAU. In Einzelfällen kann auch eine Prüfung durch weitere Behörden sinnvoll sein, etwa wenn der Verdacht auf Schwarzarbeit im Raum steht. Unsere Empfehlung: Wenn Ihnen so etwas auffällt, dokumentieren Sie die Situation, zum Beispiel per Foto, und senden Sie es an uns. Wir leiten es weiter. Wie kann man solche „schwarzen Schafe“ aus dem Verkehr ziehen? Schmitz: Wir erzielen inzwischen konkrete Erfolge, indem wir vermeintliche Dachdeckerbetriebe, die ohne die erforderlichen handwerksrechtlichen Voraussetzungen Dach- deckerarbeiten anbieten, zügig prüfen und rechtlich adressieren, in der Regel über Abmahnungen. Klar, manche weichen aus und versuchen es in einem anderen Gebiet erneut. Aber wir bleiben konsequent und reagieren auch dort wieder, sobald wir Hinweise erhalten. Eine Sisyphos-Arbeit. Gibt es noch eine andere Herangehensweise? Schmitz: Ja, neben Kontrolle und konsequentem Vorgehen hilft vor allem Aufklärung. Das Thema muss beim Verbraucher präsenter werden, damit sich eine natürliche Sensibilität entwickelt. Wer beauftragt, sollte nicht nur auf den Preis schauen, sondern auch auf Qualifikation und Arbeitsschutz. Viele wissen gar nicht, dass auch der Auftraggeber je nach Situation Verantwortung trägt und im Zweifel sogar haftungsrechtlich betroffen sein kann. Transparenz und Information sind deshalb ein wirksamer Hebel. Gut, ich nehme zwei wesentliche Sachen mit. Einmal, dass die Leute, die einen Dachdecker benötigen, darauf achten sollten, dass es sich um einen Innungsbetrieb handelt. Und das Zweite, dass Sie auch junge Mitarbeiter ermutigen, die Klappe aufzumachen, wenn sie meinen, etwas sei Kalender 2026 Sicherheit ganz oben. unsicher. Um das mal einfach zusammenzufassen. Schmitz: Entscheidend ist, dass junge Leute spüren, Ihre Stimme zählt. Wenn im Betrieb vom Azubi bis zum Meister klar ist, dass man bei Unsicherheit jederzeit „Stopp“ sagen darf dann ist das der beste Schutz überhaupt. Diese Haltung deckt sich auch mit dem Ansatz der BG BAU. Dazu gesellt sich der Gedanke: Man achtet auch im Team auf- einander. Das Interview führte Camillo F. Kluge Das Thema Sicherheit darf ganz besonders auf dem Dach keine „lästige Pflicht“ sein. // Foto: Ben Kerckx / Pixabay Die Titelseite des gemeinsam mit der BG BAU veröffentlichten Kalenders. // Grafiken (2): BG BAU Die Kampagne „Sicher auf dem Dach“ soll weiter sensibilisieren.

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