Ausgabe 2 // 2026 März (Vorschau) | Arbeitsschutz - aber sicher!

// 9 TITELSTORY zu forcieren, und das tun wir auch weiterhin. Für mich ist Nachhaltigkeit untrennbar mit Beständigkeit verbunden. Gerade aktuell sieht man meiner Meinung nach, wie Nachhaltigkeit oft missverstanden wird. Für viele Unternehmen war sie ein wichtiges Ziel, das in Zeiten des Kostendrucks aber wieder in den Hintergrund rückt. Bei Elten setzen wir auf viele Maßnahmen – von erneuerbaren Energien über energetische Sanierungen bis hin zu konkreten Projekten wie dem Recycling von Schuhen. Aktuell haben wir erfolgreiche Initiativen zur Reinigung von kurz getragenen Schuhen gestartet. Das ermöglicht uns, Müll und Kosten bei Kunden mit hoher Mitarbeiterfluktuation signifikant zu reduzieren. Genau das bedeutet nachhaltiges Handeln für mich: die Balance zwischen ethischen und ökologischen Anforderungen und gleichzeitig wirtschaftlicher Umsetzbarkeit. Dass wir hier auf einem guten Weg sind, zeigt auch die zweite Platinmedaille von Eco Vadis in Folge. Haben Sie neue zusätzliche Absatzmärkte oder Vertriebswege im Kopf? van Elten: Gerade der skandinavische Markt ist aktuell sehr interessant für uns, daher bauen wir dort unser Vertriebsteam weiter aus. Aber auch in Großbritannien sind wir aktiver als noch vor einigen Jahren. Ich stelle mir auch vor, noch weiter über die europäischen Grenzen hinaus zu wachsen. Wir arbeiten ja schon seit mehreren Jahren exklusiv mit einem Handelspartner in Australien zusammen. Interessant finde ich aktuell auch den asiatisch-pazifischen Raum. Da sind Märkte, die Wachstumspotenzial haben und mittlerweile auch ein Preisniveau, das passt. Und wer weiß, vielleicht wird in vier Jahren sogar der US-Markt wieder interessant. Dabei müssen wir natürlich stets die Trends der Branche im Blick behalten und unser Portfolio entsprechend anpassen. Allein durch die Internationalisierung kommen andere Designs, andere Branchen und andere Ansprüche auf uns zu. Schon in Großbritannien stellt sich der Kunde heute einen anderen Sicherheitsschuh vor als in Deutschland. Uedem ist nicht gerade der Nabel der Welt. Wie ist Ihre persönliche Beziehung zu Ihrer Heimat? Und sind Sie jemals auf den Gedanken gekommen, den Unternehmenssitz in eine große Stadt zu verlagern? van Elten: Ich bin in Uedem aufgewachsen und habe im Nachbarort 2016 mein Abitur gemacht. Genauso wie für mich feststand, dass ich zu Elten zurückkehre, war mir ebenfalls wichtig, andere Eindrücke zu gewinnen. Dazu bin ich nach dem Abi zum Studium nach Berlin gezogen und habe dort Bachelor und Master gemacht, sowie anschließend noch vier Jahre für das deutsche Start-up Flink gearbeitet. Ich sehe mich auch persönlich mehr in der Stadt als auf dem Land. Dennoch wohne ich aktuell wieder in Uedem und plane zwischen Düsseldorf und Uedem zu pendeln. Das heißt für mich aber keinesfalls, dass wir den Sitz verlagern. Wir sind in Uedem verwurzelt und dort werden wir auch bleiben. Wir haben seit Jahrzenten am Standort investiert. In Infrastruktur, aber vor allem auch in unsere Unternehmenskultur. Ich würde es für mehr als falsch halten aus persönlichen Lebensumständen diese Kultur zu zerstören. Bleibt die Produktion vor Ort? van Elten: Wir sind seit 1910 in Uedem verwurzelt und wollen das auch bleiben. Dort ist der Großteil unserer Produktion angesiedelt, unsere Verwaltung und unser Lager. Dennoch sind wir einigen Herausforderungen ausgesetzt. Das betrifft für mich zum einen die Produktionsbedingungen. Es ist heute schwer, genügend Leute finden, um die Produktion voll auslasten zu können. Wir haben immer neue Regulierungen von Seiten der EU, die indirekte Kosten verursachen und den administrativen Aufwand erhöhen. Und auch die Diskussion zur Besteuerung von Betriebsvermögen hilft dem Mittelstand in Deutschland nicht. Diese Faktoren führen auch dazu, dass Unternehmen Kosten senken müssen, sodass auch das Preisniveau in unserem Markt mehr unter Druck gerät. Hier ist ganz klar auch die Politik gefordert, den Standort Deutschland perspektivisch wieder attraktiver zu machen. Das fordern viele Familienunternehmen seit Jahren zu Recht. Trotzdem wäre es für uns der falsche Weg, aus diesen Gründen unsere Wurzeln infrage zu stellen. Dennoch wollen wir diesen Weg weiter gehen und arbeiten konstant an neuen Konzepten zur Prozessoptimierung. Denn eine automatisierte moderne Produktion wird immer relevant sein in Deutschland. Wie begegnen Sie dem Fachkräftemangel – gerade auf dem Land? Wie gewinnen Sie Nachwuchs bzw. neue Kräfte? van Elten: Uedem ist sicherlich kein geopolitisches Zentrum. Das merkt man an vielen Dingen, ob bei der Mitarbeiterfindung, dem kulturellen Angebot oder den kulinarischen Möglichkeiten. Dennoch haben wir eine Nähe zu vielen relevanten Städten wie Düsseldorf, Krefeld oder Duisburg aber auch einigen Städten in den Niederlanden. Natürlich wollen wir zum einen weiter auf dem aufbauen, was schon da ist. Elten ist nicht nur ein Familienunternehmen der Familie van Elten, sondern eines von vielen Mitarbeitern, die – teilweise seit mehreren Generationen – Teil des Unternehmens sind. Das ist eine Kultur, die wir beibehalten wollen. Es benötigt aber auch Veränderung in der Unternehmenskultur. Wir wollen intern mehr Möglichkeiten schaffen, um bei Elten zu wachsen. Ich bin der Überzeugung, junge Menschen suchen heute mehr denn je nach einer Aufgabe und einer Erfüllung in ihrer Tätigkeit. Das wollen wir ihnen anbieten. Dazu sind wir auf vielen Ausbildungs- und Jobbörsen vertreten und versuchen Menschen unsere Kultur und unsere Werte näher zu bringen. Digitalisierung, KI, Automatisierung – wie lassen sich diese Themen bei Elten noch stärker integrieren? van Elten: Ich bin der Überzeugung, dass durch Digitalisierung und KI einfache, repetitive Tätigkeiten immer mehr wegfallen werden. Damit meine ich gar nicht mal die Produktion, sondern vielmehr Aufgaben in der Verwaltung und im Vertrieb. Das erlaubt uns, das bestehende Personal stärker zu spezialisieren und damit zusätzliche Mehrwerte für die Kunden zu schaffen. So können wir bestehenden und neuen Mitarbeitern auch die Möglichkeit geben, sich weiterzuentwickeln und den Weg der Internationalisierung aktiv mitzugestalten. ... gehört zur fünften Generation der Familie van Elten. Seit Januar 2025 bringt er sich aktiv in die Weiterentwicklung des Unternehmens ein und arbeitet dabei eng mit seinem Vater Heiner van Elten zusammen. Voraussichtlich Mitte 2027 wird er in seine Fußstapfen treten und die Geschäftsführung übernehmen. Hendrik van Elten

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