18 // TOP-THEMA Herr Dr. Pierdzig, erklären Sie bitte den Unterschied zwischen geogenem und technischen Asbest. Dr. Stefan Pierdzig: Geogener Asbest bezeichnet Asbestminerale, die ungewollt und häufig unbemerkt über mineralische Rohstoffe in Baustoffe gelangen. Er ist natürlicher Bestandteil unterschiedlicher Gesteine wie Basalt, Diabas, Gabbro, Serpentinit oder Amphibolit. Kalkmehl aus „unreinen“ silikatischen Marmoren enthält häufig Tremolit. Da Kalkmehl als Füllstoff in der Papierindustrie oder als Zuschlagsstoff für die Herstellung von Putzen, Spachtelmassen und Farben Einsatz findet, gelangt Tremolit in alle möglichen Materialien. Auch technischer Asbest stammt aus natürlich entstandenen Lagerstätten. Er wird in manchen Ländern sogar heute noch gezielt abgebaut und gewollt in Produkten eingesetzt. Aufgrund seiner Hitze-, Chemikalien- und Verschleißbeständigkeit kam er hierzulande bis in die 1990er Jahre unter anderem in Asbestzement, Dämmstoffen, Dichtungen oder Bremsbelägen zum Einsatz. Gibt es Unterschiede zwischen geogenem und technischen Asbest bezüglich der Gesundheitsschädlichkeit? Pierdzig: Es gibt keine belastbaren medizinischen Hinweise auf Unterschiede in der Toxizität von geogenem und technischem Asbest, also auch keine Unterscheidung in guten oder bösen Asbest. Entscheidend für das Risiko ist nicht die Herkunft der Fasern, sondern die Möglichkeit, sie einzuatmen. Sobald in Arbeitsprozessen Asbestfasern freigesetzt werden können, gelten die gleichen In Deutschland gilt seit 1993 ein Verbot für den Einsatz asbesthaltiger Materialien. Doch auch heute noch kann der sogenannte geogene Asbest aus natürlichen Gesteinen unterschiedliche Baustoffe kontaminieren. Laut dem promovierten Geologen Dr. Stefan Pierdzig vom Asbest-Prüflabor CRB Analyse Service stammen alle Analyseverfahren aus Zeiten, in denen man sich dieser Problematik noch nicht bewusst war. Was das für die Analytik bedeutet, welche Gesundheitsgefährdung damit einhergehen und welche Berufsstände betroffen sind, erläutert CRB-Laborleiter Pierdzig im Interview. VERSTECKTES GESUNDHEITSRISIKO GEOGENER ASBEST Beim Schneiden von Natursteinen können die Stäube gefährliches geogenes Asbest beinhalten, ein Atemschutz sollte da getragen werden. // Foto: Pixabay
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