Ausgabe 4 // 2026 Mai (Vorschau) | Arbeitsschutz - aber sicher!

8 // TITELSTORY hohen Preis“, gibt Enqvist schmunzelnd zu. „Aber wir lagen falsch.“ Der Markt strafte die Zweifeler Lügen: Der 8127 wurde zum millionenfach verkauften Bestseller und das Erfolgsmodell schließlich von zahlreichen Wettbewerbern kopiert. Für Enqvist ist der 8127 bis heute mehr als nur ein Produkt: er ist eine Blaupause dafür, wie konsequentes Qualitätsdenken und Mut zur Differenzierung einen ganzen Markt verändern können – und ein Beispiel für das „hervorragende Gespür“, das Ejendals für Produktentwicklung hatte. Marken, die schützen Ejendals war in den nordischen Ländern einer der ersten Handschuhhersteller, der seine Produkte konsequent als Marke positionierte – ein wichtiger Schritt weg vom anonymen Verbrauchsmaterial hin zur bewusst gewählten Schutzlösung. Der Name Tegera wurde in einem lateinischen Wörterbuch gefunden und bedeutet sinngemäß „schützen“ oder „sich kümmern“, während Jalas auf die finnische Gemeinde Jalasjärvi verweist, den Standort der Schuhfabrik. Die Geschichte von Jalas beginnt 1916 im finnischen Dorf Jokipii, wo zunächst eine kleine Gerberei und Schuhfertigung entstand, aus der sich über Jahrzehnte eine Marke mit starkem handwerklichem Erbe entwickelte. Noch heute befinden sich in Jokipii Design, Entwicklung, ein modernes Testlabor und ein Großteil der Produktion, sodass technologische Innovation, Materialkompetenz und Qualitätskontrolle eng verzahnt sind. Jalas Sicherheitsschuhe, -stiefel und -sandalen stehen daher bis heute für hohe Ergonomie, präzise Passform und zuverlässigen Schutz – Eigenschaften, die im Laufe von mehr als hundert Jahren konsequent weiterentwickelt wurden. Diese Marken stehen heute für umfassende Kollektionen: Tegera für spezialisierte Handschutzlösungen, darunter serielle Innovationen wie die Tegera Pro Reihe oder extrem dünne Schnittschutzhandschuhe, Jalas für Sicherheitsschuhe mit hoher Ergonomie, Dämpfung und präziser Passform. Ein Meilenstein war für Enqvist die Einführung von Tegera Pro im Jahr 2004: „Eine umfangreiche Handschuhserie, die robuster, sicherer und weicher war als alles andere, was damals auf dem Markt erhältlich war.“ Tegera Pro ist bis heute ein zentraler Baustein im Handschuhgeschäft. Von der Werkbank zur digitalen Fertigung Die Entwicklung der Produktpalette spiegelt gesellschaftliche und industrielle Veränderungen deutlich wider. Der starke Zuwachs bei „Knit & Dipped“-Handschuhen ist ein Beispiel dafür, wie sich das Sortiment an neue Produktionsprozesse angepasst hat – weg von überwiegend handwerklichen Tätigkeiten hin zu Aufgaben als Maschinenführer oder Anlagenbediener. Gleichzeitig wurden touchscreenfähige Handschuhe etabliert, weil Displays und mobile Endgeräte heute fester Bestandteil vieler Arbeitsplätze sind. „Das enorme Wachstum bei den ,Knit & Dipped’-Handschuhen zeigt sehr gut, wie wir unser Sortiment an neue Produktions- prozesse angepasst haben“, sagt Enqvist. Handschuhe, die früher vor allem vor mechanischen Risiken schützten, müssen heute zusätzlich feinmotorische Arbeiten, digitale Steuerung und häufige Interaktionen mit Bildschirmen ermöglichen – ohne Kompromisse beim Schutz. Ergothan, Membranen und Hightech-Dämpfung Als Ejendals Anfang der 1990er-Jahre damit begann, den Vorläufer des heutigen Ergothan-Konzepts – das stoßdämpfende Material Poron XRD – in Jalas-Schuhen einzusetzen, markierte dies einen Wendepunkt in der Produktentwicklung. Viele Anforderungen an Arbeitsschuhe ähneln denen an Sportschuhe, etwa in Bezug auf Dämpfung, Stabilität und Gewichtsverteilung – diese Erkenntnis wurde konsequent genutzt. Zeitgleich hielt Membrantechnologie Einzug in den Fußschutz: Erste Modelle wurden wasserdicht hergestellt, ohne die Atmungsaktivität zu opfern, später folgten Varianten mit bewährten Systemen wie Gore-Tex. „Bereits in den 1990er Jahren begannen wir, Membranen zu verwenden, um einige Modelle von Jalas-Schuhen wasserdicht zu machen, aber gleichzeitig die Feuchtigkeit aus dem Inneren der Schuhe nach außen zu leiten“, beschreibt Enqvist. Arbeitsschuhe wurden damit zu echten Hightech-Produkten, die auch bei langen Schichten und widrigen Bedingungen trockene Füße, ein stabiles Fußklima und eine deutliche Reduktion von Belastungsbeschwerden ermöglichen. Expansion mit Wertebasis 2004 begann Ejendals, sich von einem rein schwedischen Anbieter zu einem internationalen Akteur zu entwickeln. Den Auftakt bildete der norwegische Markt, der bereits im ersten Jahr rund 3 Millionen Euro Umsatz beisteuerte, gefolgt von Dänemark, Deutschland, Polen und den Benelux-Ländern. „Auf jeden Fall erinnere ich mich daran“, sagt Enqvist. „Das lag in meiner Verantwortung als Exportmanager, und deshalb bin ich so beeindruckt von unserer heutigen Situation mit Umsatz und Ejendals-Mitarbeitern in mehr als 30 Ländern.“ Die Expansion erfolgte bewusst schrittweise: Mit jedem neuen Markt kamen Vertriebs- ... ist seit mehr als 40 Jahren im Unternehmen und hat die Entwicklung vom kleinen Hersteller, der vorrangig in Schweden seine Produkte vertrieb, zum heutigen globalen Unternehmen hautnah miterlebt und mitgestaltet. Samuel Enquist Hinzu kam: Mehr oder weniger alle Hersteller boten dieselben Modelle an, meist ohne Markennamen und ohne klar erkennbare Herkunft. Für Kunden war es kaum möglich zu unterscheiden, aus welchem Haus ihre Handschuhe stammten – und entsprechend gering war das Bewusstsein dafür, dass Qualität, Passform und Tragekomfort erheblich variieren können. Ejendals ging bewusst einen anderen Weg und forderte von der Fertigung Materialien mit etwas höherer Qualität – mit dem Ziel, Handschuhe und Schuhe zu liefern, die länger halten und angenehmer zu tragen sind. Ein „Hochzeitshandschuh“ wird zur Ikone Vor der Einführung des heute legendären Modells 8127 dominierte in vielen Branchen – insbesondere in der Automobilindustrie – der einfache Textilhandschuh oder Fäustling: minderwertige Qualität, schlechte Nähte, miserable Passform und genau zwei Größen („Damen“ und „Herren“). Früh erkannte man bei Ejendals, dass damit weder Präzision noch Komfort oder nachhaltiger Schutz zu erreichen waren, und entwickelte den 8127 als radikalen Gegenentwurf. Der Handschuh wurde aus einem glatten Material mit Vinylnoppen für sicheren Griff gefertigt, in vier Größen angeboten und zeichnete sich durch eine für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Verarbeitung aus. „Wir im Vertriebsteam waren sehr zögerlich und dachten, der Handschuh sähe aus wie ein Hochzeitshandschuh mit einem

RkJQdWJsaXNoZXIy MTA5MDcwMw==