// 1 AUSGABE 5 2026 JUNI „Baumädchen“ Sandra Hunke – Botschafterin fürs Handwerk Donato Muro über verhaltensorientierte Arbeitssicherheit Gore prägt ein tiefes Verständnis für Textilien TITELSTORY: HANDSCHUTZ NEU DEFINIERT
2 // S E R I E S FAST 14 GREEN | ESD EN ISO 20345 S1PS SR | Art. 83300 FAST 12 BLACK | ESD EN ISO 20345 S1PS SR | Art. 28200 FAST 10 PLATINUM | ESD EN ISO 20345 S1PS SR | Art. 77500 ATLAS HEELBOX EASY SLIP-EINSTIEG ULTRA LEICHT
// 3 ED I TOR I AL Aber tatsächlich umfassten sie jetzt nichts Dramatisches oder besonders Persönliches. Man muss tatsächlich angeben, unter welchem Namen man in den Social Media unterwegs ist. Auch die Frage nach den Namen der Eltern ist vielleicht ungewöhnlich, aber ansonsten mussten keine Daten preisgegeben werden, die nicht ohnehin bekannt sind oder im Ausweis stehen. Das eigentlich nervtötende beim Beantragen der Einreiseerlaubnis ESTA war die Technik, denn das System hing sich online ein paar Mal auf. Aber am Ende war alles ganz einfach und entspannt – ganz im Gegensatz zu den vorher lautstark aufgetretenen Mahnern. Das ist auch oft bei Sicherheitsmaßnahmen so. Vorher scheint eine riesige Menge an Dingen, die alle berücksichtigt werden müssen, wie eine gigantische Wand den Zugang zum sicheren Arbeiten zu versperren. Angefangen von Gefährdungsbeurteilung über die Beschaffung der passenden Materialien, der notwendigen PSA, der ausreichenden Menge qualifizierter Mitarbeiter, bis hin zum Notfall- und Rettungskonzept erscheint der Aufwand häufig wie eine zunächst unüberwindbare Hürde. Doch geht es hier um Menschen, unter Umständen sogar um Menschenleben. Und wenn man einmal für ein Projekt diese gigantische Wand zum sicheren Arbeiten überwunden hat, fällt es bei den nächsten Projekten mit Sicherheit leichter. Zumal einige Voraussetzungen wie zum Beispiel die PSA der Mitarbeiter oder ein Notfallkonzept dann bereits vorhanden sind. Manche Aufgaben wirken zunächst unlösbar, können vielleicht abschrecken, aber mit jedem Steinchen, das aus der – bleiben wir beim Bild – gigantischen Wand entfernt wird, wird es einfacher und rückt das Ziel näher. Am Ende steht dann die Gewissheit, alles für die Sicherheit der Menschen in einem Projekt in die Wege geleitet zu haben. Sicherheit und der Einsatz für sichere Arbeiten in Bau, Handwerk und Industrie ist übrigens keine Frage des Geschlechts, wie die Ihnen hier vorliegende Ausgabe unseres Fachmagazins Arbeitsschutz - aber sicher! deutlich belegt. Aber ich will nicht vorgreifen, nur so viel: Es erwarten Sie viele spannende und tolle Geschichten in vielen interessanten Beiträgen, zu denen ich Ihnen nun viel informatives Lesevergnügen wünsche. Bleiben Sie gesund, Ihr Liebe Leserinnen und Leser, ich war neulich relativ kurzfristig auf einer Dienstreise in den Vereinigten Staaten. Als ich im Vorfeld im Freundes- und Bekanntenkreis darüber mit ein wenig neugieriger Vorfreude berichtete, kamen von vielen Seiten Warnungen. „Jetzt nach Amerika als Journalist?“ „Bei der Einreise musst Du sämtliche Mailadressen und Mailverläufe der letzten fünf Jahre angeben.“ „Alle Chats, in denen Du unterwegs bist, musst du angeben!“ oder auch „Sämtliche Social Media Aktivitäten der letzten Jahre musst Du offenbaren.“ Mal abgesehen davon, dass wohl kein Mensch seine Online-Aktivitäten der letzten Jahre irgendwo wiedergeben kann – dafür gibt es schließlich auch KI – waren die EinreiseFormalitäten schon recht umfangreich. Am Ende steht dann die Gewissheit, alles für die Sicherheit der Menschen in einem Projekt in die Wege geleitet zu haben. // Foto: Camillo F. Kluge AM ENDE IST ES OFT EINFACH UND ENTSPANNT Camillo F. Kluge
4 // INHALT INHALT AUSGABE 5 // 2026 JUNI // 3 Editorial // 6 Titelstory: Wonder Grip hat den Handschutz neu definiert // 10 Kurz notiert Top-Thema: „Mehr Frauen für Bau, Handwerk und Industrie“ // 16 „Baumädchen“ Sandra Hunke ist eine Botschafterin für das Handwerk // 20 Höhenpass-Mitarbeiterin Ann-Katrin Hümmerich ist beim THW aktiv // 22 Anika Kuhn ist Fachkraft für Arbeitssicherheit im Hüttenwerk // 23 Maurerin Angelika Müller war Mitgründerin von AST // 24 Ob Frauen in Herrenkleidung arbeiten sollten hinterfragt HB Protective // 26 Cécilia Lemoine Moncla, Produktmanagerin bei Delta Plus, zum Thema Auffanggurte // 28 Fachkraft für Arbeitssicherheit Irina Neher empfindet Arbeitsschutz als Wertschätzung // 30 Die ehemalige Handball-Nationaltorhüterin Clara Woltering im Atlas-Interview // 33 Dachdeckermeisterin Fabienne Ellermeier wird von Snickers vorgestellt // 34 Janine Mellinghoff von ABS Safety weiß: Technische Lösungen sind keine Frage des Geschlechts // 36 Bei Uvex liegt der Fokus auf der Trageakzeptanz der Trägerin // 38 Schornsteinfeger-Gesellin Evelyne Pfundstein und der Unterschied bei einem Schuh von Elten // 40 Bei Hakos Sicherheitssysteme gibt es Innovation, Sicherheit und weibliche Führung // 42 Sixton Peak hat zum Wohlbefinden von Frauen am Arbeitsplatz geforscht // 43 Bei Baak gehören Passform und Schutz zusammen // 44 Carhartt hat Hosen in der Passform vollständig neu für Frauen entwickelt // 45 Weg von Kompromissen hin zu funktionalen Produkten führt Fristads // 46 Frauen sollen sich mit U-Power wohlfühlen und sich selbst gefallen // 47 Safety Jogger verspricht perfekten Sitz für jede Fachkraft // 48 Komfort und Schutz hat Lavoro optimiert // 49 Gut sitzende PSA ist für MSA Safety nicht nur eine Frage des Tragekomforts // 50 - 52 Marktübersicht: Leichte Schuhe für den Damenfuß // 53 Norman Checker Persönliche Schutzausrüstung // 54 Ein tiefes Verständnis für Textilien und deren Anwendung prägt Gore // 58 Den ganzen Kopf betrachtet KASK // 60 Neue Kollektion von Kübler ist jetzt im Markt erhältlich // 61 Fachhändler Terrax vertreibt exklusiv Caterpillar Workwear // 62 Bei aha entstand das Schutzkonzept mit iQ-UV im Teamplay Höhen- und Absturzsicherung // 64 Physische Ergonomie und mentale Gesundheit im Fokus des 16. FISAT-Technikseminars // 66 Den „Mythos Wald“ im Oberhausener Gasometer hat Zitras mit installiert // 68 LUX-top zeigt sich hinsichtlich der neuen Norm bereits zukunftssicher aufgestellt // 69 Komfort und Sicherheit versprechen die Gurte von Edelrid // 70 IPAF rückt Inspektion von Hubarbeitsbühnen in den Blickpunkt // 72 Veranstaltungskalender Betriebs- und Baustellensicherheit // 74 Denios lebt Verantwortung seit 40 Jahren // 75 Eine individuelle Konfiguration von Kisten bietet Zarges an // 75 Der Baustellen Coach
// 5 C M Y CM MY CY CMY K // Fotos: Gore, Wonder Grip, Zitras Folgen Sie uns auf: Fachhandel und Dienstleistungen // 76 BG Bau über neue förderfähige und auslaufende Produkte // 78 Sicheres Verhalten entsteht nicht durch Regeln allein erklärt Sicherheits-Ingenieur Donato Muro // 81 Firmenverzeichnis // 82 Vorschau / Impressum // 6 // 66 // 54
6 // Frauen werden in handwerklichen und industriellen Berufen sichtbarer als noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Passformen, Tragekomfort und Akzeptanz im Arbeitsalltag. Wie wichtig ergonomische Eigenschaften tatsächlich sind, zeigt sich meist nicht im Prüflabor, sondern dort, wo Hände täglich arbeiten. Emma Hulme ist regelmäßig in Bau- und Renovierungsprojekten tätig. Werkzeugführung, Materialkontakt und wiederkehrende Bewegungsabläufe gehören dabei ebenso zum Alltag wie körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten. Genau dort wird spürbar, wie stark Passform, Tastgefühl und Beweglichkeit darüber entscheiden können, wie präzise und kraftschonend über Stunden hinweg gearbeitet werden kann. Emma Hulme, Gründerin von Builder Girl (UK), steht damit exemplarisch für eine Ent- wicklung, die in vielen Arbeitsbereichen sichtbar wird: Arbeitsrealitäten verändern sich und damit auch die Anforderungen an Handschutz. Mit Builder Girl macht D ie Anforderungen an Handschutz sind so unterschiedlich wie die Menschen, die ihn tragen, und die Tätigkeiten, bei denen er eingesetzt wird, weiß man bei Wonder Grip. Kaum ein anderer Bereich im Arbeitsschutz zeigt so deutlich, wie stark sich Arbeitsrealitäten verändern. Emma Hulme sichtbar, wie selbstverständlich Frauen heute anspruchsvolle handwerk- liche Tätigkeiten mitgestalten. Sichtbarkeit verändert gleichzeitig die Wahrnehmung handwerklicher Berufe für kommende Generationen. Schutz allein reicht heute nicht mehr aus Handschutz muss sich an Arbeitsabläufen orientieren, nicht umgekehrt. Bei Wonder Grip steht genau diese Verbindung seit Jahren im Mittelpunkt. Das Unternehmen entwickelt und fertigt seine Handschutzlösungen in eigenen Entwicklungs- und Produktionsstrukturen. Forschung, Entwicklung und Produktion greifen dabei unmittelbar ineinander. Vom Rohstoff bis zum fertigen Handschuh bleiben sämtliche Prozesse unter eigener Kontrolle. Genau darin liegt ein wesentlicher Unterschied innerhalb des Handschutzmarktes. Anforderungen aus realen Arbeitsprozessen können unmittelbar in Materialentwicklung, Beschichtungstechnologien und ergonomische Konzepte einfließen. HANDSCHUTZ NEU DEFINIERT TITELSTORY
// 7 Builder Girl Emma Hulme nutzt bei ihren täglichen Arbeiten im Bau- und Renovierungsbereich einen Handschuh von Wonder Grip, der unterschiedliche Anforderungen gleichzeitig unterstützt. // Foto: Wonder Grip
8 // TITELSTORY Technologie entsteht aus Arbeitsrealität Produktentwicklung beginnt nicht mit einer theoretischen Aufgabenstellung, sondern mit der Beobachtung realer Arbeitsprozesse. Wer Handschutz weiterentwickeln möchte, muss verstehen, wie Menschen arbeiten, welche Bewegungen sie täglich ausführen und welchen Belastungen sie dabei ausgesetzt sind. Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von Wonder Grip konzentrieren sich dabei auf drei zentrale Bereiche: die Zusammensetzung und Leistungsfähigkeit von Beschichtungen, moderne Strick- und Webtechniken sowie die ergonomische Gestaltung von Handschuhformen. Daraus sind in den vergangenen Jahren zahlreiche patentierte Technologien hervorgegangen. Sie verfolgen unterschiedliche Neben Griffsicherheit spielen vor allem ergonomische Eigenschaften und natürliche Bewegungsabläufe eine wichtige Rolle. // Fotos (3): Wonder Grip Ziele, stehen jedoch für denselben Anspruch: Schutz, Komfort und Leistungsfähigkeit möglichst präzise auf reale Arbeitsbedingungen abzustimmen. Wie sich solche Entwicklungen im Arbeitsalltag auswirken können, zeigt beispielsweise die Wonder Grip Technology. Mikrostrukturen auf beschichteten Handschuhoberflächen wirken ähnlich wie feine Saugnäpfe und verbessern die Kontrolle auf trockenen, feuchten oder öligen Oberflächen. Materialien und Werkzeuge lassen sich dadurch sicherer und kraftsparender führen. In unabhängigen Materialprüfungen in Japan wurde bei Handschuhen mit Wonder Grip Technology eine Steigerung der Griffigkeit von bis zu 58 Prozent bei Latex- und bis zu 36 Prozent bei Nitrilbeschichtungen festgestellt. Neben Griffsicherheit spielen vor allem ergonomische Eigenschaften und natürliche Bewegungsabläufe eine wichtige Rolle. Denn nur Handschuhe, die im Arbeitsalltag akzeptiert werden, werden dauerhaft getragen. Eine entspanntere Handhaltung bereits beim Anziehen, natürlichere Bewegungsabläufe und eine höhere Tastempfindlichkeit ermöglicht beispielsweise die TPDT-Technologie. Sie orientiert sich an der natürlichen Haltung der Hand und unterstützt Bewegungsfreiheit, ohne dass permanent gegen die Form des Handschuhs gearbeitet werden muss. Zusätzliche Materialstrukturen innerhalb des Handschuhs unterstützen Bewegungsfreiheit, sicheren Sitz und angenehmes Arbeiten. Gerade bei längeren Tragezeiten wird spürbar, wie sich diese Eigenschaften auf Ermüdung, Gelenkbelastung und Bewegungsabläufe auswirken können. Dahinter steht das Dualiner-Konzept, das auf die Entlastung von Muskeln, Gelenken und Sehnen ausgelegt ist. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung bei Tätigkeiten mit dauerhaft wiederkehrenden Bewegungen, hoher Werkzeugkontrolle oder präziser Materialführung. Der Handschuh, den Emma Hulme bei ihren täglichen Arbeiten im Bau- und Renovierungsbereich verwendet, vereint mehrere Technologien von Wonder Grip, die unterschiedliche Anforderungen gleichzeitig unterstützen. Eine hohe Griffsicherheit erleichtert das sichere Führen von Werkzeugen und Materialien. Die ergonomische Form unterstützt natürliche Bewegungsabläufe der Hand. Zusätzliche Komfortelemente tragen dazu bei, Die Anforderungen an Handschuhe entwickeln sich unterschiedlich. Während in einigen Arbeitsbereichen Präzision und Tastgefühl im Vordergrund stehen, entscheiden in anderen Robustheit, Hitzebeständigkeit oder hohe mechanische Belastbarkeit über die Auswahl geeigneter Handschutzlösungen. Hinzu kommt, dass Arbeitsplätze häufig mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllen müssen. Handschuhe sollen schützen, präzises Arbeiten ermöglichen und dabei angenehm tragbar bleiben. Die Erwartungen an Handschutz sind dadurch gestiegen. Schutz wird vorausgesetzt. Darüber hinaus spielen Passform, Tastgefühl, Griffsicherheit und Tragekomfort eine wichtige Rolle. Denn nur Handschuhe, die im Arbeitsalltag akzeptiert werden, werden dauerhaft getragen.
// 9 TITELSTORY scheidung für einen einzelnen Handschuhtyp. Unterschiedliche Tätigkeiten stellen unterschiedliche Anforderungen. Was in Montage und Präzisionsarbeiten überzeugt, ist nicht automatisch die richtige Lösung für robuste oder stark belastende Anwendungen. Genau hier liegt die Bedeutung der Übernahme. Wonder Grip bringt eigene Forschung und Entwicklung, eigene Produktion sowie die Erfahrung eines international aufgestellten Herstellers ein. Guyard ergänzt diesen Ansatz durch Erfahrung in Arbeitsbereichen, die bislang nicht zum Schwerpunkt von Wonder Grip gehörten. Für die Handschuhbeschaffung bedeutet das, unterschiedliche Arbeitsbereiche künftig breiter und aus einer Hand abdecken zu können – vom präzisen Montagehandschuh bis hin zu Anwendungen, in denen Leder weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Die Übernahme steht damit nicht für die Ablösung bestehender Technologien, sondern für deren sinnvolle Ergänzung. Unterschiedliche Materialien und Lösungen bleiben auch künftig Teil eines Handschutzmarktes, dessen Anforderungen immer vielfältiger werden. Der Handschuh ist längst mehr als ein reines Verbrauchsprodukt. Er wird zunehmend Teil realer Arbeitsprozesse und spiegelt wider, wie Unternehmen Sicherheit, Ergonomie, Komfort und Arbeitsrealität miteinander verbinden. Genau darin zeigt sich, wie stark sich Handschutz verändert. Die Übernahme von Guyard markiert deshalb keinen Abschluss, sondern den Beginn einer weiteren Entwicklung innerhalb des Handschutzmarktes. Wie sichtbar sich diese Verbindung aus technodass der Handschuh auch über längere Zeiträume angenehm getragen werden kann. Gerade bei Arbeiten, bei denen regelmäßig gehoben, getragen, geschraubt, montiert oder mit Werkzeug gearbeitet wird, zeigt sich der praktische Nutzen solcher Eigenschaften. Wenn Werkzeuge sicher in der Hand liegen, Bewegungen natürlicher erfolgen und die Hände auch nach Stunden weniger ermüden, wird spürbar, welchen Unterschied technische Entwicklungen im Arbeitsalltag tatsächlich machen können. Die Verbindung dieser unterschiedlichen Technologien steht exemplarisch für den Entwicklungsansatz von Wonder Grip: Schutz, Komfort und Leistungsfähigkeit im Arbeitsalltag gleichermaßen zu unterstützen. Dieser Anspruch endet nicht bei einzelnen Produkten. Er prägt auch die langfristige Entwicklung des Unternehmens. Mit Guyard den nächsten Schritt gegangen Mit der Übernahme des französischen Handschuhherstellers Guyard erweitert Wonder Grip sein Spektrum um einen Bereich, der bislang nicht zum Schwerpunkt des Unternehmens gehörte. Guyard wurde 1977 gegründet und steht in Frankreich seit fast fünf Jahrzehnten für die Herstellung von Lederhandschuhen. Das Unternehmen ist in Niherne im Zentrum Frankreichs beheimatet, einer Region mit langer industrieller und handwerklicher Tradition. Über viele Jahre entstand dort Erfahrung in Arbeitsbereichen, in denen Robustheit, Materialkenntnis und zuverlässiger Handschutz eine zentrale Rolle spielen. Dazu gehören unter anderem Schweißtechnik, Metallverarbeitung und weitere Anwendungen mit hohen mechanischen oder thermischen Belastungen. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Einsatzbereiche, in denen Leder bis heute aufgrund seiner Eigenschaften und seiner hohen Akzeptanz im Arbeitsalltag geschätzt wird. Mit Guyard wird damit nicht nur ein Unternehmen Teil von Wonder Grip, sondern auch eine fast fünf Jahrzehnte gewachsene französische Handschuhtradition. Für viele Unternehmen bedeutet die Auswahl von Handschutz heute weit mehr als die Ent- ... ist Gründerin von Builder Girl (UK). Mit Builder Girl setzt sie sich für die Sichtbarkeit von Frauen im Bau- und Handwerksbereich ein und will Menschen in ganz Europa inspirieren, handwerkliche Berufe und Renovierungsprojekte aktiv mitzugestalten. Sie ist unter Builder Girl auf Instagram und Facebook zu finden. Emma Hulme Wenn Werkzeuge sicher in der Hand liegen und Bewegungen natürlicher erfolgen, ermüden die Hände auch weniger schnell. logischer Entwicklung, industrieller Fertigung und gewachsener Lederkompetenz künftig im Auftritt von Wonder Grip widerspiegeln wird, dürfte spätestens auf der A+A 2027 in Düsseldorf erkennbar werden.
10 // KURZ NOTIERT KURZ NOTIERT Emissionsrechner für Nachhaltigkeits- vorteile // Foto: CWS Workwear Seinen Workwear Emissionsrechner hat CWS Workwear überarbeitet und erweitert. Das Tool des führenden Anbieters von Workwear as a Service basiert auf der neuesten verfügbaren Datengrundlage, enthält erstmals eine eigene Funktion zur Darstellung von Wassereinsparungen und bietet eine verbesserte Nutzerführung im Dashboard. Der Emissionsrechner ist über die Website von CWS Workwear zugänglich und macht die Nachhaltigkeitsvorteile des kreislauforientierten Servicemodells transparent, messbar und vergleichbar. Gesellschaft in den Niederlanden Vier Jahre nach Markteinführung gründet die Workwear‑Marke Schöffel PRO eine eigene Gesellschaft in den Niederlanden und treibt damit ihre internationale Expansion konsequent voran. Mit der neuen Gesellschaft reagiert Schöffel PRO auf die hohe Attraktivität des niederländischen Marktes sowie auf eine stark zunehmende Nachfrage nach funktionaler, hochwertiger und individuell gestaltbarer Arbeitsbekleidung. Der Firmensitz der niederländischen Gesellschaft befindet sich in Enschede, die Geschäftsführung übernimmt Dr. Sophie Stopp (Foto). Bundesliga-Aufsteiger FC Schalke 04 hat mit Blåkläder für die kommende Spielzeit einen international renommierten Workwear- Spezialisten als neuen Haupt- und Ärmelpartner. Der Name der schwedischen Marke bedeutet übersetzt „blaue Kleidung“ und schafft damit bereits sprachlich eine natürliche Verbindung zur königsblauen Identität des Vereins. Entscheidend ist jedoch vor allem die gemeinsame Haltung: anpacken, als Team funktionieren und verlässlich bleiben. Sichtbar wird die Zusammenarbeit auf dem Trikot- und Trainingskit-Ärmel der Lizenzmannschaft. Darüber hinaus plant Schalke 04 mit Vorstandsvorsitzendem Matthias Tillmann (r.) und Jan Gundermann (l.), Managing Director Blåkläder Deutschland, durch gemeinsame Aktionen Nähe zu schaffen und die Werte beider Partner erlebbar zu machen. „Blaue Kleidung“ ist königsblauer Partner // Foto: Blåkläder Erneut den Beitragsfuss gesenkt Bereits zum fünften Mal in Folge hat jetzt die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG Etem) den Beitragsfuss gesenkt. Der Beitragsfuß ist eine Rechengröße, die gemeinsam mit der Gefahrklasse des Betriebes und seiner Lohnsumme zur Berechnung der Höhe der Mitgliedsbeiträge dient. Mit diesen Beiträgen werden die Ausgaben der Berufsgenossenschaft des zurückliegenden Kalenderjahrs solidarisch durch die Mitgliedsunternehmen gedeckt. Durch die Mitgliedschaft in der BG Etem entfällt für Unternehmen die Haftung für gesundheitliche Schäden, die deren Beschäftigten durch Arbeitsunfälle oder Berufskrankheiten entstehen können. Der durchschnittliche Beitrag der Betriebe ist von 77 auf 76 Cent je 100 Euro von dem Betrieb an die Beschäftigten gezahlter Lohnsumme gesunken. // Foto: Schöffel PRO Ingenieurkunst verbunden mit Innovationskraft // Foto: Layher Das Familienunternehmen Layher wurde jetzt mit dem Plus X Award als „Beste Marke 2026“ ausgezeichnet. „Layher steht für Gerüstsysteme auf höchstem technischen Niveau – sicher, effizient und konsequent weitergedacht. Die Marke verbindet Ingenieurskunst, Innovationskraft und Systemintelligenz in herausragender Weise und setzt damit internationale Standards in ihrer Branche“, so das Fazit der Jury. Seit über acht Jahrzehnten gibt der führende Hersteller dem Gerüstbau kontinuierlich neue Impulse und prägt die Entwicklung damit nachhaltig.
// 11 Verlässliche und neutrale Orientierungshilfe // Foto: Nordwest Bereits zum 14. Mal in Folge wurde Nordwest Handel das Gütesiegel „Ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb“ verliehen. Damit bestätigen die Auszubildenden dem Dortmunder Verbundunternehmen seit 2013 durchgängig eine hervorragende Ausbildungsqualität. Aktuell hat Nordwest elf Azubis in vier verschiedenen Ausbildungsberufen. Das Gütesiegel „Ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb“ bietet Schülern eine verlässliche und neutrale Orientierungshilfe bei der Suche nach einem guten Ausbildungsplatz. Grundlage ist eine umfassende, anonymisierte Befragung, in der die Auszubildenden rund 100 detaillierte Fragen zur Qualität ihrer Ausbildung beantworten. Schutz vor berufsbedingten Krebsarten Jedes Jahr sterben in der EU mehr als 100.000 Menschen an Krebs, der durch kanzerogene Stoffe am Arbeitsplatz verursacht wird. Daher erinnert die Kommission für Arbeitsschutz und Normung (KAN) daran, dass in vielen Materialien Gefahrenstoffe enthalten sein können, die ein Risiko für die Beschäftigten bedeuten. 53 Prozent der arbeitsbedingten Todesfälle in der EU sind auf die Exposition gegenüber kanzerogenen Stoffen am Arbeitsplatz zurückzuführen. Zum Schutz der Fachkräfte vor berufsbedingten Krebsarten hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gemeinsam mit europäischen Partnern auf der Aktions-Website „S.T.O.P. Carcinogens at Work” mittlerweile 40 Faktenblätter zu krebserzeugenden Stoffen und Tätigkeiten zusammengestellt. // Grafik: KAN HB Protective Wear GmbH & Co. KG Phone +49 2639 8309-0 info@hb-online.com HB-ArcFlash Pro® Damenkollektion statt Kompromisslösung. Hochwertiger, moderner und bequemer Multi-Risk Schutz mit PRO Label ISO 15797 www.hb-online.com Entwicklungs- und Vertriebspartnerschaft Eine exklusive Entwicklungs- und Vertriebspartnerschaft ist die Munk Günzburger Steigtechnik mit dem italienischen Arbeitsbühnenspezialist Gromet eingegangen. Auf dieser Basis entstehen neue Arbeitsbühnen unter der Produktmarke Flexx Lift. Munk vertreibt sie künftig im deutschen und öster- // Foto: Munk reichischen Markt. Das Sortiment reicht von manuell verfahrbaren Push-aroundBühnen bis zu elektrischen Mast- und Scherenbühnen. Alle Produkte gelten als sichere Alternative zur Leiter und erfüllen die Anforderungen der Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS). Das erweiterte Flexx Lift-Sortiment richtet sich an Handwerk, Industrie, Handel und gewerbliche Vermieter. Ferdinand Munk (l.), Inhaber und Geschäftsführer der Munk Group, und Gromet Geschäftsführer Massimo Grossele unterzeichneten Ende Mai den Partnerschaftsvertrag.
12 // // Foto: Ocean Textile KURZ NOTIERT KURZ NOTIERT Handel mit klarem Schwerpunkt auf Europa Das traditionsreiche dänische Unternehmen Ocean Textile baut seine Vertriebsaktivitäten aus. Der 55-jährige Werner Matthiesen (Foto) hat als neuer Chief Sales Officer (CSO) die Verantwortung über den kompletten Vertrieb. Sein besonderes Augenmerk liegt auf dem weltweiten Handel mit klarem Schwerpunkt auf Europa. Ziel ist es, die internationalen Vertriebsaktivitäten weiterzuentwickeln und die Marke Ocean wieder stärker sichtbar zu machen. Er war zuletzt bei Fristads, davor viele Jahre bei F. Engel und Deerhunter tätig, unter anderem als Export Manager und Head of Sales. Per Videospiel zum Gerüstbau Mit einem eigenen Videospiel wollen Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau junge Menschen für das Gewerk gewinnen. Ab sofort ist in Fortnite eine eigene Gerüstbau-Erweiterung verfügbar, bei der die Spieler Rohstoffe gewinnen, Quizfragen beantworten und daraus Schritt für Schritt ein Gerüst errichten. Entwickelt wurde das Spiel in Zusam- // Foto: Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk Messe lebt von echten Geschichten Als neue Messegesichter sucht die Dach + Holz International authentische Persönlichkeiten aus Handwerk, die mehr erzählen als nur ihren Beruf. Bereits zum vierten Mal ruft die Leitmesse dazu auf, Teil ihrer Kommunikation zu werden und damit stellvertretend für eine ganze Branche zu stehen. Die Dach + Holz International lebt von echten Geschichten, von Menschen, die mit ihrem Können, ihrer Haltung und ihrer Begeisterung für das Handwerk stehen. Ob auf Plakaten, in Social Media, in Videos oder in Fachmedien – die ausgewählten Gesichter zeigen, was die Branche ausmacht: Vielfalt, Engagement und Zukunftskraft. Bewerbungen sind noch bis 1. Juli über die Homepage der Dach + Holz möglich. // Foto: Dach + Holz International // Foto: Asecos Den Hauptkatalog „Sicheres Arbeiten mit Gefahrstoffen: Lagerung – Absaugung – Handling“ hat jetzt der Spezialist für Gefahrstofflagerung und -handling Asecos aktualisiert. Der überarbeitete Hauptkatalog präsentiert auf nun 500 Seiten das komplette Produktportfolio – von Sicherheitsschränken über Gefahrstoffarbeitsplätze und Zubehör bis hin zum Service-Angebot. Die Experten von Asecos vermitteln zudem wie gewohnt praxisnahes Fachwissen mit Produkte und Fachwissen menarbeit mit XR-bit, einer gemeinnützigen Organisation, die sich auf digitale und interaktive Bildungs- und Ausbildungsprojekte spezialisiert hat. Fortnite belegt bei der Zielgruppe der 12- bis 19-Jährigen aktuell Platz 2 im Beliebtheitsranking aller Videospiele. Es kann auf nahezu allen gängigen digitalen Endgeräten gespielt werden. Hotline für Arbeits- schutzverantwortliche Welche arbeitsmedizinische Vorsorge muss ich meinen Beschäftigten anbieten? Wie viele Ersthelfer brauche ich in meinem Betrieb? Was muss ich beachten, wenn ich eine ältere Maschine sicher weiterbetreiben möchte? Auf solche und weitere allgemeine Fragen zu Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erhalten Arbeitsschutzverantwortliche aus Betrieben mit bis zu 50 Beschäftigten bei der Kompetenzzentren-Hotline (KPZ-Hotline) der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) Antworten. Die KPZ-Hotline ist unter der kostenfreien Telefonnummer 0800-9990080 montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr erreichbar. Besetzt ist sie mit Arbeitsschutz-Fachleuten eines externen Dienstleisters, die in allgemeinen arbeitsmedizinischen oder sicherheitstechnischen Fragen beraten. Blick auf die neuesten Gesetze, Normen und Regelwerke. Der aktualisierte Katalog ist über die Homepage des Unternehmens einsehbar.
// 13 NACHGEWIESENE PERFORMANCE-VORTEILE FÜR TOP-ATHLET*INNEN UND ARBEITER*INNEN. Das BOA® Fit System sorgt für eine präzise, fein einstellbare Passform und ist für kompromisslose Performance unter härtesten Bedingungen entwickelt – mit Garantie. BOAFIT.COM
14 // Nicht zuletzt der Fachkräftemangel zeigt eindeutig, dass Bau, Industrie und Handwerk mehr Frauen benötigen. Damit der Einstieg und die langfristige Bindung gelingen, spielt Arbeitssicherheit eine zentrale Rolle. Moderne Sicherheitskonzepte müssen die Vielfalt der Beschäftigten berücksichtigen – von passgenauer Persönlicher Schutzausrüstung bis hin zu ergonomisch gestalteten Arbeitsplätzen. Lange Zeit waren viele Schutzkleidungen und Arbeitsmittel auf männliche Körpermaße ausgelegt. Heute stehen zunehmend Helme, Sicherheitsschuhe oder auch Arbeitskleidung in unterschiedlichen Passformen zur Verfügung. Das erhöht nicht nur den Tragekomfort, sondern auch den Schutz im Arbeitsalltag. Ebenso wichtig ist eine entsprechende Sicherheitskultur, die alle Beschäftigten einbezieht. Regelmäßige Unterweisungen, offene Kommunikation und die konsequente Meldung von Gefährdungen stärken das Sicherheitsbewusstsein im Team. Unternehmen, die Arbeitssicherheit und Chancengleichheit gemeinsam denken, schaffen attraktive Arbeitsbedingungen und profitieren von vielfältigen Perspektiven. Mehr Frauen in Bau, Industrie und Handwerk sind daher nicht nur existentiell für die Branchen, sondern ein wichtiger Faktor für eine sichere und zukunftsfähige Arbeitswelt.
// 15 // Foto: MSA Safety MEHR FRAUEN FÜR BAU, HANDWERK & INDUSTRIE
16 // TOP-THEMA Hallo Sandra, das Handwerk hat bei Dir ja Familientradition, oder? Warum hast Du Dich nicht für eines der Handwerke Deiner Eltern entschieden? Sandra Hunke: Ja, Handwerk war bei uns zuhause immer präsent. Meine Mutter ist Schneiderin, mein Vater Fliesenleger – ich bin also praktisch zwischen Werkzeugen und kreativer Arbeit groß geworden. Trotzdem wollte ich meinen eigenen Weg gehen. Mich hat schon früh begeistert, etwas Technisches zu machen, Probleme zu lösen und am Ende des Tages direkt zu sehen, was man geschafft hat. Im SHK-Handwerk habe ich genau das gefunden. Und so könnte ich später mal komplett Bäder mit meinem Vater zusammen anbieten. Was begeistert Dich am SHK, ein Handwerk, das ja in der öffentlichen Wahrnehmung oft belächelt wird – bis man einen solchen Handwerker dringend benötigt…? Hunke: Ich finde genau das spannend: Viele unterschätzen den Beruf, dabei betrifft er jeden Menschen täglich. Wärme, Wasser, Energieversorgung – ohne SHK läuft nichts. Gleichzeitig ist das Gewerk unglaublich modern geworden. Wärmepumpen, erneuerbare Energien, smarte Gebäudetechnik – wir arbeiten an Themen, die gesellschaftlich extrem wichtig sind. Außerdem mag ich die Mischung aus Technik, Handwerk und Kundenkontakt. SICH MEHR ZUTRAUEN UND DAS HANDWERK WIEDER WERTSCHÄTZEN Das „Baumädchen“ Sandra Hunke zählt zu den populärsten deutschen Influencerinnen im Bereich Handwerk. Die Anfang Juli 34 Jahre alt werdende Westfälin ist nicht nur gelernte Anlagenmechanikerin im SHL-Handwerk, sondern hat auch als Model gearbeitet und zwei Bücher rund um das Handwerk veröffentlicht. Zudem hat Sandra Hunke ein Workwear-Label für Frauen ins Leben gerufen. Besonders engagiert sie sich für Frauen im Handwerk und hat mit der „Baumädchen Villa“ diesbezüglich ein Projekt gestartet. Gerne hat Sandra die Fragen von Chefredakteur Camillo Kluge beantwortet. Du machst den Job seit 14 Jahren, sprich zu Beginn der Ausbildung warst Du ja noch eine „Rarität“, oder? Hunke: Definitiv. Als ich angefangen habe, war ich oft die einzige Frau auf der Baustelle. Da musste ich mich natürlich erst beweisen. Aber ich habe schnell gemerkt: Wenn man seinen Job gut macht, bekommt man auch Respekt. Heute ist die Situation zum Glück deutlich besser. Es kommen mehr Frauen ins Handwerk, und das finde ich richtig wichtig. Wie meisterst Du körperliche Herausforderungen, meinethalben ein Waschbecken oder eine Toilettenschüssel in die 2. Etage zu tragen? Hunke: Handwerk hat natürlich körperliche Seiten, aber vieles läuft über Technik, Organisation und Teamarbeit. Niemand muss dauerhaft alles alleine schleppen. Man lernt mit der Zeit die richtigen Handgriffe und wie man Kräfte sinnvoll einsetzt. Außerdem wird auf Baustellen heute viel ergonomischer gearbeitet als früher. Hast Du noch handwerksberufliche Ziele? Meister oder eigener Betrieb oder etwas Ähnliches? Hunke: Ich finde es wichtig, sich immer weiterzuentwickeln. Der Meistertitel ist natürlich etwas, das mich reizt. Ich sage seit Jahren, wenn ich mal Zeit habe, mache ich das. Bisher war aber nie Zeit. Jetzt baue ich erstmal ein Mehrfamilienhaus nur mit Frauen, die „Baumädchen Villa“. Denn gleichzeitig interessieren mich Themen wie Nachwuchsförderung, Sichtbarkeit von Frauen im Handwerk und moderne Arbeitswelten. Ich möchte zeigen, wie vielseitig und zukunftsfähig das Handwerk ist. „Baumädchen Villa“? Was genau ist das? Hunke: Die „Baumädchen Villa“ ist mein Herzensprojekt. Ich habe ein älteres Haus gekauft und möchte daraus ein modernes, nachhaltiges und energieeffizientes Zuhause machen. Gleichzeitig soll das Projekt zeigen, dass Frauen im Handwerk genauso selbstverständlich auf die Baustelle gehören wie Männer. Was macht die Villa so besonders? Hunke: Das Besondere ist: Möglichst viele Gewerke werden von Handwerkerinnen geplant und umgesetzt. Vom Abriss über Landschaftsbau bis hin zu Malerarbeiten oder Heiztechnik sollen Frauen zeigen, was sie können. Die „Baumädchen Villa“ ist deshalb nicht nur ein Bauprojekt, sondern auch ein Zeichen für mehr Sichtbarkeit von Frauen im Handwerk. Welche Idee steckt hinter dem Projekt? Hunke: Ich möchte mit Vorurteilen aufräumen. Viele glauben immer noch, Handwerk sei ein typischer Männerberuf. Mit der „Baumädchen Villa“ will ich jungen Mädchen
// 17 TOP-THEMA In ihrer Anfangszeit war Sandra Hunke oft die einzige Frau auf den Baustellen. // Fotos (2): Sandra Hunke zeigen: Du kannst alles werden – auch Handwerkerin. Genau diese Botschaft vermittle ich schon lange auf Social Media und auch mit meinem Kinderbuch „Bella Baumädchen“. Welche Themen spielen beim Bau der Villa eine große Rolle? Hunke: Nachhaltigkeit und moderne Technik. Geplant sind unter anderem Wärmepumpe, Photovoltaik und energieeffiziente Lösungen. Ich möchte zeigen, wie modernes und klimafreundliches Bauen heute funktionieren kann. Wird das Projekt öffentlich begleitet? Hunke: Ja, die gesamte Baustelle wird auf Social Media dokumentiert. Meine Community kann Schritt für Schritt verfolgen, wie die Villa entsteht – inklusive Herausforderungen, Baufehlern, Technik und echten Baustellenmomenten. Was bedeutet dir die „Baumädchen Villa“ persönlich? Hunke: Sehr viel. Das Projekt verbindet alles, wofür ich stehe: echtes Handwerk, Nachhaltigkeit, Kreativität und Frauenförderung. Es soll Menschen motivieren, sich mehr zuzutrauen und das Handwerk wieder wertzuschätzen. Wie wichtig ist Dir Sicherheit am Arbeitsplatz? Worauf achtest Du da besonders? Hunke: Sicherheit ist extrem wichtig. Gerade im SHK-Bereich arbeitet man mit Strom, Wasser, schweren Materialien oder auf Baustellen mit vielen Gefahrenquellen. Gute Schuhe, passende Kleidung, Schutzbrillen oder Handschuhe sind keine Nebensache. Ich achte sehr darauf, konzentriert zu arbeiten und Risiken nicht zu unterschätzen. Sicherheit ist im SHK-Handwerk wichtig, schließlich wird unter anderem mit Strom und Wasser gearbeitet.
18 // TOP-THEMA ... hat das Kinderbuch „Bella Baumädchen: Du kannst alles sein!“ und „Ich zeig´ euch, wo der Hammer hängt!: Schluss mit alten Vorurteilen – für mehr starke Frauen im Handwerk“ geschrieben. Beide Bücher unterstreichen ihr Engagement für starke Frauen und mehr Nachwuchs im Handwerk. Sandra Hunke Thema Arbeitskleidung: Du hast auch eine eigene Kollektion Workwear für Frauen und Mädchen auf den Markt gebracht – obwohl die großen Hersteller da mittlerweile aktiv sind. Warst Du nicht so recht zufrieden mit dem Angebot? Hunke: Ich trage neben meiner Arbeitskleidung auch von anderen Herstellern welche. Zum Beispiel Haix oder besonders gerne auch U-Power. Es hat sich zwar viel verbessert, aber lange Zeit war Arbeitskleidung für Frauen einfach nur „Männerkleidung in klein“. Schlechte Passformen, wenig Funktionalität und oft auch wenig Auswahl. Ich wollte Kleidung entwickeln, die wirklich auf Frauen im Handwerk zugeschnitten ist – praktisch, robust und gleichzeitig modern. Mit der Arbeitsleggings ist mir da ein echter Allrounder gelungen. Unsere Leggings sieht nicht nur gut aus, sie kann auch richtig was. Mit durchdachten Taschen für dein Werkzeug und strapazierfähigen Materialien, die selbst bei harten Arbeiten standhalten, bietet sie genau das, was du brauchst. Sie vereint Tragekomfort, Funktionalität und Stil. Egal, ob du: ✔ im Garten arbeitest, ✔ tapezierst, ✔ Parkett verlegst ✔ oder dein nächstes DIY-Projekt startest – diese Leggings ist die perfekte Begleiterin für all deine Vorhaben. Derzeit entwickeln wir zusätzlich eine Arbeitshose, perfekt für die Frau. Diese wird die Arbeitskleidung für Frauen revolutionieren. Ich arbeite seit 14 Jahren im Handwerk und weiß deshalb selbst am besten, was wir Frauen uns von einer Arbeitshose wünschen. Hat Deine Mama als Schneiderin mitgewirkt oder hattest Du von einem größeren Hersteller Unterstützung? Hunke: Meine Mutter hat mich natürlich mit ihrem Know-how inspiriert. Sie hat ein unglaubliches Verständnis für Stoffe, Schnitte und Verarbeitung. Gleichzeitig braucht man für eine professionelle Kollektion natürlich auch Partner aus der Industrie und Hersteller, die die technische Umsetzung übernehmen können. Was umfasst Deine Kollektion? Ist da auch Schutzkleidung – zum Beispiel Warnschutz – bei oder handelt es sich um reine Workwear? Hunke: Die Kollektion umfasst klassische Workwear wie Arbeitshosen, Oberteile und funktionale Kleidung für den Berufsalltag. Dabei stehen Komfort, Bewegungsfreiheit und Alltagstauglichkeit im Fokus. Du bist auch Mutter. Wie lässt sich der Berufsalltag von morgens um 6 Uhr oder 7 Uhr bis zum Nachmittag mit Kind und Familie unter einen Hut bringen? Ist das nicht Stress pur? Hast Du Tipps für andere junge Mütter diesbezüglich? Hunke: Natürlich ist das manchmal stressig. Aber ich glaube, perfekte Balance gibt es selten – wichtig sind Organisation und ein gutes Umfeld. Familie, Partner und manchmal auch Kollegen spielen eine große Rolle. Mein Tipp wäre: Sich nicht unter Druck setzen lassen und Hilfe annehmen. Und vor allem: Nicht glauben, dass man sich zwischen Familie und Karriere entscheiden muss. Neben Wärmepumpe und Toilettenkasten hast Du ja auch noch andere „Jobs“. Du hast zwei Bücher veröffentlicht. Erzähl mal kurz, was Dich dazu bewogen hat. Hunke: Mir war wichtig, Menschen zu motivieren und mit Vorurteilen aufzuräumen. Gerade junge Frauen brauchen oft Vorbilder oder einfach jemanden, der sagt: „Du kannst das.“ Mit den Büchern wollte ich zeigen, dass Handwerk modern, kreativ und erfüllend sein kann – und dass man seinen eigenen Weg gehen darf. Hast Du – getreu Deinem Buchtitel „Du kannst alles sein!“ – noch berufliche Pläne für die nahe Zukunft? Hunke: Ideen gibt es viele. Ich möchte weiterhin Menschen fürs Handwerk begeistern, neue Projekte umsetzen und die Branche moderner und sichtbarer machen. Stillstand war noch nie so mein Ding. Und zu guter Letzt: Hast Du für junge Frauen einen Tipp für einen erfolgreichen Weg in Bau und Handwerk? Hunke: Traut Euch einfach. Lasst Euch nicht einreden, dass bestimmte Berufe nichts für Frauen seien. Wichtig ist Interesse, Motivation und die Bereitschaft zu lernen. Handwerk bietet unglaublich viele Möglichkeiten, sichere Jobs und echte Zukunftsperspektiven. Und man wächst mit jeder Herausforderung. cfk Die Baumädchen Kollektion beinhaltet nicht nur die robuste und durchdachte Leggings, auch Hoodies sind beispielsweise zu bekommen. // Fotos (2): Sandra Hunke
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