Ausgabe 5 // 2026 Juni (Vorschau) | Arbeitsschutz - aber sicher!

16 // TOP-THEMA Hallo Sandra, das Handwerk hat bei Dir ja Familientradition, oder? Warum hast Du Dich nicht für eines der Handwerke Deiner Eltern entschieden? Sandra Hunke: Ja, Handwerk war bei uns zuhause immer präsent. Meine Mutter ist Schneiderin, mein Vater Fliesenleger – ich bin also praktisch zwischen Werkzeugen und kreativer Arbeit groß geworden. Trotzdem wollte ich meinen eigenen Weg gehen. Mich hat schon früh begeistert, etwas Technisches zu machen, Probleme zu lösen und am Ende des Tages direkt zu sehen, was man geschafft hat. Im SHK-Handwerk habe ich genau das gefunden. Und so könnte ich später mal komplett Bäder mit meinem Vater zusammen anbieten. Was begeistert Dich am SHK, ein Handwerk, das ja in der öffentlichen Wahrnehmung oft belächelt wird – bis man einen solchen Handwerker dringend benötigt…? Hunke: Ich finde genau das spannend: Viele unterschätzen den Beruf, dabei betrifft er jeden Menschen täglich. Wärme, Wasser, Energieversorgung – ohne SHK läuft nichts. Gleichzeitig ist das Gewerk unglaublich modern geworden. Wärmepumpen, erneuerbare Energien, smarte Gebäudetechnik – wir arbeiten an Themen, die gesellschaftlich extrem wichtig sind. Außerdem mag ich die Mischung aus Technik, Handwerk und Kundenkontakt. SICH MEHR ZUTRAUEN UND DAS HANDWERK WIEDER WERTSCHÄTZEN Das „Baumädchen“ Sandra Hunke zählt zu den populärsten deutschen Influencerinnen im Bereich Handwerk. Die Anfang Juli 34 Jahre alt werdende Westfälin ist nicht nur gelernte Anlagenmechanikerin im SHL-Handwerk, sondern hat auch als Model gearbeitet und zwei Bücher rund um das Handwerk veröffentlicht. Zudem hat Sandra Hunke ein Workwear-Label für Frauen ins Leben gerufen. Besonders engagiert sie sich für Frauen im Handwerk und hat mit der „Baumädchen Villa“ diesbezüglich ein Projekt gestartet. Gerne hat Sandra die Fragen von Chefredakteur Camillo Kluge beantwortet. Du machst den Job seit 14 Jahren, sprich zu Beginn der Ausbildung warst Du ja noch eine „Rarität“, oder? Hunke: Definitiv. Als ich angefangen habe, war ich oft die einzige Frau auf der Baustelle. Da musste ich mich natürlich erst beweisen. Aber ich habe schnell gemerkt: Wenn man seinen Job gut macht, bekommt man auch Respekt. Heute ist die Situation zum Glück deutlich besser. Es kommen mehr Frauen ins Handwerk, und das finde ich richtig wichtig. Wie meisterst Du körperliche Herausforderungen, meinethalben ein Waschbecken oder eine Toilettenschüssel in die 2. Etage zu tragen? Hunke: Handwerk hat natürlich körperliche Seiten, aber vieles läuft über Technik, Organisation und Teamarbeit. Niemand muss dauerhaft alles alleine schleppen. Man lernt mit der Zeit die richtigen Handgriffe und wie man Kräfte sinnvoll einsetzt. Außerdem wird auf Baustellen heute viel ergonomischer gearbeitet als früher. Hast Du noch handwerksberufliche Ziele? Meister oder eigener Betrieb oder etwas Ähnliches? Hunke: Ich finde es wichtig, sich immer weiterzuentwickeln. Der Meistertitel ist natürlich etwas, das mich reizt. Ich sage seit Jahren, wenn ich mal Zeit habe, mache ich das. Bisher war aber nie Zeit. Jetzt baue ich erstmal ein Mehrfamilienhaus nur mit Frauen, die „Baumädchen Villa“. Denn gleichzeitig interessieren mich Themen wie Nachwuchsförderung, Sichtbarkeit von Frauen im Handwerk und moderne Arbeitswelten. Ich möchte zeigen, wie vielseitig und zukunftsfähig das Handwerk ist. „Baumädchen Villa“? Was genau ist das? Hunke: Die „Baumädchen Villa“ ist mein Herzensprojekt. Ich habe ein älteres Haus gekauft und möchte daraus ein modernes, nachhaltiges und energieeffizientes Zuhause machen. Gleichzeitig soll das Projekt zeigen, dass Frauen im Handwerk genauso selbstverständlich auf die Baustelle gehören wie Männer. Was macht die Villa so besonders? Hunke: Das Besondere ist: Möglichst viele Gewerke werden von Handwerkerinnen geplant und umgesetzt. Vom Abriss über Landschaftsbau bis hin zu Malerarbeiten oder Heiztechnik sollen Frauen zeigen, was sie können. Die „Baumädchen Villa“ ist deshalb nicht nur ein Bauprojekt, sondern auch ein Zeichen für mehr Sichtbarkeit von Frauen im Handwerk. Welche Idee steckt hinter dem Projekt? Hunke: Ich möchte mit Vorurteilen aufräumen. Viele glauben immer noch, Handwerk sei ein typischer Männerberuf. Mit der „Baumädchen Villa“ will ich jungen Mädchen

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