Ausgabe 6 // 2026 Juli/August (Vorschau) | Arbeitsschutz - aber sicher!

// 1 AUSGABE 6 2026 JULI / AUGUST Interview: Krise, Depression, Burnout oder nur ein schlechter Tag? Über 30 Seiten „grüne“ Lösungen im Arbeitsschutz Secova empfiehlt KI statt Kladde und Checkliste TITELSTORY: WENN HITZE ZUM ARBEITSRISIKO WIRD

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// 3 ED I TOR I AL bester Freund und ich viel mit dem Fahrrad unterwegs waren. Da gab es auch diese eine wenig befahrene Straße im Wald, die eine enorme Steigung aufwies. Wir verrückten Kids sind die Straße damals auf unseren Rädern mit Vollgas runtergerast, und zwar möglichst lange freihändig. Angst, dass etwas passieren kann? Die hatten wir nicht. Ist zum Glück ja auch nie was passiert. Wenn ich daran zurückdenke, kann ich kaum glauben, wie leichtsinnig wir da waren. Heute mag ich gar nicht darüber nachdenken, was passiert wäre, wenn es einen von uns laut dem damals natürlich am Fahrrad nicht fehlenden Tacho mit fast 70 Sachen „zerlegt“ hätte. Vielleicht hat es wirklich damit zu tun, dass, wenn man jung und gesund und fit ist, sich über die Möglichkeit, es kann was passieren, keinen Kopf macht. Auch nicht im Beruf – auf dem Dach, am Stromkasten, beim Gerüstbau? Da sind dann die älteren Kollegen gefragt, die sollten immer ein wachendes Auge und eine warnende Stimme für ihre jungen Kameraden haben, sie vor „coolem“ Leichtsinn bewahren. Denn was hundert Mal gut geht, kann beim nächsten Versuch schief gehen. Aber ich hoffe, dass ich der jungen Generation Unrecht tue, dass die viel mehr auf Sicherheit bedacht ist als wir es seinerzeit waren. Vielleicht ist die Generation ja wie mein Sohn, dem es immer egal war und ist, ob ein Fahrradhelm cool ist. Er setzt den einfach freiwillig immer auf. So wäre es sehr wichtig, dass es besonders bei der jungen Generation zu einem Selbstverständnis wird, auf die Sicherheit im Arbeitsalltag und natürlich auch in der Freizeit zu achten. Damit alle wieder gesund nach Hause kommen. Wie man das Thema Sicherheit mit nachhaltigen Aspekten zusätzlich würzt, dass wird in dieser Ausgabe ausgiebig von diversen Herstellern vorgestellt. Spannend ist sicher auch das Interview mit Dr. Stefanie Schöler zum Thema mentale Gesundheit. Ein Faktor, der in dieser schnelllebigen Zeit meines Erachtens immer mehr an Gewicht gewinnt. Aber die vorliegenden Ausgabe von Arbeitsschutz - aber sicher! bietet noch reichlich weitere lesenswerte Beiträge, zu denen ich Ihnen nun viel informatives Lesevergnügen wünsche. Bleiben Sie gesund, Ihr Liebe Leserinnen und Leser, manchmal frage ich mich, ob Sicherheitsempfinden oder das Bedürfnis nach Sicherheit etwas mit dem Alter zu tun hat. Ich gehöre zur Generation der sogenannten Baby-Boomer, sprich die Jahre bis zum Ruhestand sind nicht mehr allzu lange hin. Unsere wilde Kindheit verbrachten wir draußen, Videospiele, Computer oder ähnliches gab es nicht. Nach der Schule wurde Mittag gegessen, dann ging es raus. Mit den Kumpels wurde gekickt oder Fahrrad gefahren, durch Hinterhöfe gestreunt oder sonstiger Unfug gemacht. Es waren die Jahre, als der Sicherheitsgurt im Auto eingeführt wurde, aber lange um Akzeptanz rang. Fahrradhelme nutzte kein Me n s c h . Und so erinnere ich mich noch sehr gut, dass mein Die älteren Kollegen sollten immer ein wachendes Auge und eine warnende Stimme für ihre jungen Kameraden haben. // Foto: Camillo F. Kluge KEINE ANGST, DASS ETWAS PASSIEREN KANN Camillo F. Kluge

4 // INHALT INHALT AUSGABE 6 // 2026 JULI / AUGUST // 3 Editorial // 6 Titelstory: Wenn Hitze zum Arbeitsrisiko wird // 10 Kurz notiert Top-Thema: „Grüne“ Lösungen im Arbeitsschutz // 16 Gore möchte Funktionalität über Jahre hinweg erhalten // 18 Rohstoffe hält Elten möglichst lange im Kreislauf // 21 Nachhaltige Materialien nutzt KASK für seine Schutzhelme // 22 Das Prinzip Vision Zero lebt bei Denios // 23 Die Welt will Blåkläder zu einem bisschen besseren Ort machen // 26 Baak stellt die Weichen für Nachhaltigkeit in der Entwicklung // 27 Schutzfunktion verbindet Asatex mit Umwelt-Verantwortung // 28 Verantwortung ist Bestandteil des Handelns bei F. Engel // 29 Nachhaltigen Augenschutz bietet Univet an // 30 Wonder Grip verhindert Probleme, bevor sie Menschen betreffen // 32 Auf belastbare Daten statt bloßer Versprechen setzt Fristads // 34 Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette übernimmt U-Power // 36 Kreislauffähigkeit etabliert Solid Gear als festen Bestandteil // 38 Aus Resten entsteht bei Snickers echte Zukunft // 40 Dassy setzt nachhaltige Innovationen konkret um // 42 SC Johnson verarbeitet Plastikmüll // 42 Portwest geht keine Kompromisse bei der Performance ein // 43 Daiber pflegt verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt // 44 Handschuhe reinigt W+R Industry statt diese wegzuwerfen // 45 Nachhaltigkeit über den gesamten Lebenszyklus bietet BOA // 46 Laufwege aus Kabelummantelungen präsentiert Eurosafe // 18 // Fotos: Elten, Gore, Pervormance // 47 Norman Checker Persönliche Schutzausrüstung // 48 Neue Kollektion von Ejendals mit sportlichem Charakter // 50 Frische Impulse versprechen die Neuheiten von PIP Special Werkzeugsicherheit // 52 Finger immer am Abzug birgt Gefahren weiß BeA // 54 Mit Timmer lassen sich Flugzeug-Außenhäute effizient fertigen // 56 Altendorf hat sein Sicherheitsassistenzsystem weiterentwickelt // 57 VDI stellt Entwurf zur Richtlinie Hand Armschwingungen vor // 16

// 5 Folgen Sie uns auf: // 6 INHALT Höhen- und Absturzsicherung // 58 Moderne Absturzsicherung im anspruchsvollen Bestand von LUX-top // 60 Dachsanierung mit Sifatec am Schulkomplex in der Eifel // 62 Veranstaltungskalender Betriebs- und Baustellensicherheit // 64 Beitrag zu einer umfassenden Sicherheitskultur von Minimax Mobile Services // 65 Der Baustellen Coach // 66 Paschal hat das Kühlsystem direkt in die Wände integriert // 67 Leuchte von Horizont hilft dreifach zu sparen MOLD HANDLING SOLUTIONS DIE SCHNELLSTE & SICHERSTE ART IHR WERKZEUG ZU WENDEN. MEHR SICHERHEIT WENIGER AUSFALLZEITEN KOSTEN SENKEN WENDEN IN UNTER MINUTE 1 +49 7361 504 - 1457 MOLDHANDLING@RUD.COM WWW.MOLDHANDLING.RUD.COM Fachhandel und Dienstleistungen // 68 Interview mit Dr. Stefanie Schöler vom Arbeitsschutz Universum zur mentalen Gesundheit // 71 Totmann-Schalter kann Leben retten erinnert Almas Industries // 72 Auf KI statt Kladde und Checkliste setzt Secova // 73 Firmenverzeichnis // 74 Vorschau / Impressum

6 // Wenn im Hochsommer Asphaltflächen flimmern und die Sonne stundenlang auf Straßen, Betriebshöfe und Kläranlagen brennt, beginnt für viele Beschäftigte der Entsorgungsbetriebe der Stadt Ulm und des Zweckverbands Klärwerk Steinhäule die anspruchsvollste Zeit des Jahres. Denn während manche Menschen der Mittagshitze aus- W ie die Entsorgungsbetriebe der Stadt Ulm und der Zweckverband Klärwerk Steinhäule mit E.Cooline Kühlkleidung von Pervormance neue Wege im Hitzeschutz gehen. weichen können, müssen Müllabfuhr, Entsorgung und Abwasserwirtschaft zuverlässig weiterlaufen. Gleichzeitig lassen sich feste Arbeitsabläufe nicht ausschließlich in die kühleren Morgenstunden verlegen. Die zunehmende Zahl heißer Sommertage stellte deshalb auch die Verantwortlichen für WENN HITZE ZUM ARBEITSRISIKO WIRD TITELSTORY Arbeitssicherheit dieser Betriebe vor neue Herausforderungen. Gesucht wurde eine Lösung, die den Beschäftigten im Freigelände ebenso hilft wie den Mitarbeitenden in nicht klimatisierten Bürogebäuden. Vor allem sollte sie sich unkompliziert in den Arbeitsalltag integrieren lassen und ohne aufwendige Infrastruktur funktionieren. Fündig wurden die Ulmer schließlich bei E.Cooline. Heute gehören Kühlwesten, Kühlshirts und kühlende Kopfbedeckungen für viele Mitarbeitende bereits zur Sommerausstattung. Arbeiten, wenn andere den Schatten suchen „Die Klimaveränderung führt zu immer mehr Hitzetagen. Gleichzeitig sind wir auf feste Arbeitszeiten angewiesen. Eine Verlagerung

// 7 Mit kühlender Weste und kühlender Basecap trotzt der Mitarbeiter des Bauhofs auch der größten Hitze. // Foto: Pervormance der Arbeiten in kühlere Tageszeiten ist in vielen Bereichen schlicht nicht möglich“, erklärt Jürgen Schaff, Ingenieur für Arbeitssicherheit bei den Entsorgungsbetrieben der Stadt Ulm. Die Beschäftigten arbeiten auf Freiflächen, aufgeheizten Straßen, in Kläranlagen oder in Gebäuden ohne Klimatisierung. Besonders auf den Südseiten der Bürogebäude werden im Sommer regelmäßig Temperaturen von über 30 °C erreicht. Unter freiem Himmel liegen die gefühlten Temperaturen durch Sonneneinstrahlung oft deutlich höher. Schatten? Häufig Fehlanzeige. Hinzu kommt eine weitere Herausforderung: In vielen Arbeitsbereichen ist das Tragen langer Schutzkleidung verpflichtend. Die Gefährdungsbeurteilungen im Abfall- und Abwasserbereich lassen aufgrund biologischer und mechanischer Risiken keinen Spielraum. Die Folgen von Hitze sind dabei längst nicht mehr nur eine Frage des Wohlbefindens. Aktuelle Studien zeigen, dass hohe Temperaturen direkte Auswirkungen auf die Gesundheit von Beschäftigten und die Fehlzeiten in Unternehmen haben. Bereits ein einzelner Tag mit Temperaturen über 30 Grad Celsius lässt die Zahl der Krankmeldungen in Deutschland um durchschnittlich 3,5 Prozent steigen. Hält die Hitze über mehrere Tage an, nimmt die Belastung weiter zu: Nach drei aufeinanderfolgenden Hitzetagen liegt der Anstieg bei fünf Prozent, nach sieben Tagen sogar bei 10,8 Prozent. Besonders betroffen sind Berufsgruppen mit körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten im Freien – etwa in Transport, Logistik, Landwirtschaft, Bauwesen oder der Fertigung. Für die Entsorgungsbetriebe der Stadt Ulm sind diese Entwicklungen keine abstrakten Zahlen. Die steigende Hitzebelastung ist im Arbeitsalltag längst spürbar. Ob bei Arbeiten auf Betriebshöfen, entlang von Straßen oder im Bereich der Abwassertechnik – die Belastung durch Hitze nimmt für viele Beschäftigte von Jahr zu Jahr zu. Hinzu kommt, dass sich die Zahl der Hitzetage in Deutschland im Vergleich zu den 1950er-Jahren nahezu verdreifacht hat. Allein 2023 wurden bundesweit TITELSTORY

8 // TITELSTORY Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher (vorne Mitte) und Gabriele Renner (links daneben), CEO von Pervormance, bei der Übergabe der kühlenden High Vis-Westen. durchschnittlich 11,1 Tage mit Temperaturen über 30 °C registriert. Das Rekordjahr 2018 brachte sogar 20 Hitzetage mit sich. Für die Entsorgungsbetriebe bedeutet diese Entwicklung eine dauerhafte Veränderung der Arbeitsbedingungen. Tätigkeiten, die früher nur an wenigen Tagen im Jahr unter extremer Hitzebelastung stattfanden, werden zunehmend zur Normalität. „Unsere Aufgabe im Arbeitsschutz ist es, diese Belastungen für die Beschäftigten so weit wie möglich zu reduzieren. Gerade bei Hitze suchen wir deshalb kontinuierlich nach praktikablen Lösungen, die im Arbeitsalltag tatsächlich funktionieren“, sagt Jürgen Schaff. Dabei geht es längst nicht ausschließlich um Gesundheitsschutz. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die Arbeitsproduktivität bei Temperaturen über 30 Grad Celsius pro zusätzlichem Grad um rund drei Prozent sinken kann. Gleichzeitig steigt der Energieverbrauch für Kühlung um etwa 1,2 Prozent pro Grad Celsius. Für Unternehmen wird Hitzeschutz damit zunehmend auch zu einem wirtschaftlichen Faktor. Von der Messe direkt in den Arbeitsalltag Auf der Fachmesse A+A in Düsseldorf wurde Jürgen Schaff erstmals auf die Kühltextilien von E.Cooline aufmerksam. „Wir haben nach einer Lösung gesucht, die unsere Mitarbeitenden unkompliziert nutzen können. Die Produkte sollten einfach funktionieren, ohne dass zusätzliche Technik oder umfangreiche organisatorische Maßnahmen notwendig sind“, erinnert sich der Arbeitssicherheitsexperte. Die Idee dahinter überzeugte schnell: effektive Kühlung ohne Strom, Batterien oder aufwendige Infrastruktur. Nach ersten Erfahrungen im Arbeitsalltag wurde das Sortiment schrittweise erweitert. Heute sind rund 25 Kühlshirts und Kühlwesten sowie etwa 35 kühlende Kopfbedeckungen im Einsatz – Tendenz steigend. Auch die Weiterentwicklung der Kühltextilien beobachten die Verantwortlichen in Ulm aufmerksam. Besonders interessant sind dabei die neuen Power Signal-Shirts SX3 von E.Cooline, die erst seit diesem Jahr auf dem Markt erhältlich sind. Die innovativen High Vis-Shirts verbinden gleich drei wichtige Schutzfunktionen in einem Kleidungsstück: erhöhte Sichtbarkeit nach EN ISO 20471, UV-Schutz UPF 40 und die kühlende Cooline SX3-Technologie. Gerade für Beschäftigte der Entsorgungsbetriebe, die täglich im Straßenraum, auf Betriebshöfen oder im Freigelände unterwegs sind, könnte diese Kombination künftig eine interessante Ergänzung darstellen. „Für unsere Mitarbeitenden spielen Sichtbarkeit, Schutz vor Sonneneinstrahlung und thermische Entlastung gleichermaßen eine wichtige Rolle. Lösungen, die mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllen, passen sehr gut zu unserem praxisorientierten Ansatz im Arbeitsschutz“, sagt Jürgen Schaff. „Die neuen Power SignalShirts greifen genau diesen Ansatz auf und kombinieren mehrere Schutzfunktionen in einem angenehm leichten Kleidungsstück. Dadurch könnte sich der Tragekomfort weiter erhöhen und die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden zusätzlich steigen.“ Kühlung, die sofort spürbar ist Bei den Entsorgungsbetrieben werden die Produkte überall dort genutzt, wo hohe Temperaturen zum Alltag gehören. Dabei setzt das Unternehmen bewusst auf Freiwilligkeit. „Wir schreiben die Kühlkleidung nicht vor. Wer sie nutzen möchte, bekommt sie unkompliziert zur Verfügung gestellt. Genau das sorgt für die hohe Akzeptanz bei den Beschäftigten“, erklärt Schaff. Die Anwendung könnte einfacher kaum sein: Die Produkte werden mit Wasser aktiviert und liefern anschließend über Stunden hinweg eine angenehme Kühlwirkung. Vor allem die Beschäftigten selbst sind von der Wirkung überzeugt. „Wenn die Sonne brennt, kann ich mich mit dem kühlenden Basecap auf jeden Fall deutlich besser konzentrieren. Und es sieht sogar noch gut aus“, berichtet eine Mitarbeiterin. Auch bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten macht sich die Entlastung bemerkbar: „Sobald der Sommer ausbricht, habe ich die Kühlweste an. Ich fühle mich besser, weil ich nicht dauernd schwitze. Und ich merke die Umgebungshitze deutlich weniger, wenn ich die Weste trage“, erzählt ein Mitarbeiter aus dem Entsorgungsbereich. Ursprünglich waren die Kühlprodukte für den Einsatz unter freiem Himmel gedacht. Doch Jürgen Schaff, Ingenieur für Arbeitssicherheit bei den Entsorgungsbetrieben der Stadt Ulm, ist von der kühlenden Weste begeistert.

// 9 TITELSTORY Die E.Cooline-Kühlkleidung nutzt ein einfaches Prinzip: Wasser statt Strom. Die patentierte SX3-Technologie speichert Wasser im 3D-Material auf smarten Fasern und erzeugt durch kontrollierte Verdunstung einen kühlenden Effekt. Die Produkte werden innerhalb weniger Sekunden mit Wasser aktiviert, sind sofort einsatzbereit und benötigen keine Energiequelle. Für die meisten Arbeitssituationen reicht diese natürliche Kühlung bereits aus. Steigen Temperatur oder Luftfeuchtigkeit stark an, kann die Kühlleistung zusätzlich über zwei weitere Kühlstufen verstärkt werden. Durch kurze Vorkühlung entsteht eine zusätzliche Kältereserve, die den Kühlungseffekt erhöht. So passt sich das System flexibel an unterschiedliche Einsatzbedingungen an – vom normalen Sommertag bis zur extremen Hitzebelastung unter Schutzkleidung. Die Kleidung bleibt dabei leicht, komfortabel und schränkt die Bewegungsfreiheit nicht ein. Kühlung mit Wasser – und bei Bedarf mit Extra-Power Dank der kühlenden Basecap bewahrt die Mitarbeiterin vom Bauhof auch bei großer Hitze einen kühlen Kopf. // Fotos (3): Pervormance die positiven Erfahrungen sprachen sich schnell herum. Heute werden sie nicht nur von Mitarbeitenden in der Entsorgung und Abwassertechnik genutzt, sondern auch in nicht klimatisierten Bürobereichen. Mittlerweile wird die Kühlkleidung aber nicht nur während der Arbeit getragen. Einige Beschäftigte nutzen sie sogar auf dem Heimweg oder zuhause, um nach besonders heißen Arbeitstagen schneller zu regenerieren und den Feierabend wieder besser genießen zu können. Mehr als nur ein gutes Gefühl Die positive Resonanz überrascht die Verantwortlichen nicht. Denn bei hohen Temperaturen geht es längst nicht nur um Komfort. „Schon eine geringe Reduzierung der empfundenen Temperatur kann einen großen Unterschied machen. Die Rückmeldungen zeigen uns, dass die Beschäftigten die Entlastung unmittelbar wahrnehmen“, sagt der Arbeitssicherheitsexperte. Für Jürgen Schaff sind solche Rückmeldungen besonders wertvoll. Schließlich zeigt sich der tatsächliche Nutzen einer Arbeitsschutzmaßnahme erst im praktischen Einsatz. Während technische Lösungen häufig anhand von Kennzahlen bewertet werden, berichten die Beschäftigten von ganz konkreten Vorteilen im Arbeitsalltag: weniger Hitzestress, mehr Konzentration und ein angenehmeres Arbeiten auch an langen Sommertagen. Genau diese Erfahrungen haben dazu beigetragen, dass die Kühlprodukte heute von vielen Mitarbeitenden selbstverständlich genutzt werden. Für den Arbeitssicherheitsexperten steht dabei vor allem die Gesundheit der Beschäftigten im Mittelpunkt. Gleichzeitig weiß Jürgen Schaff, dass sich Hitzestress auch wirtschaftlich bemerkbar macht. Das PotsdamInstitut für Klimafolgenforschung beziffert allein die Kosten einer dreitägigen Hitzewelle durch zusätzliche Krankmeldungen auf rund 32 Millionen Euro. Hinzu kommen schwer messbare Faktoren wie sinkende Konzen- tration, geringere Leistungsfähigkeit und Produktivitätseinbußen. Die positiven Effekte gehen aus Sicht der Verantwortlichen jedoch noch darüber hinaus. Neben der gesundheitlichen Entlastung und den Vorteilen für den Arbeitsalltag beobachten sie einen weiteren wichtigen Aspekt: Die Beschäftigten nehmen die Bereitstellung der Kühlkleidung als Zeichen echter Wertschätzung wahr. „Dass der Arbeitgeber in moderne Lösungen investiert und pragmatisch auf neue Herausforderungen reagiert, wird von vielen ausdrücklich anerkannt“, berichtet Jürgen Schaff. Nachhaltiger Hitzeschutz mit Zukunft Auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten passt die Lösung zum Unternehmen. Da die Kühlung ausschließlich mit Wasser und Luft funktioniert, kann insbesondere in Bürobereichen teilweise auf zusätzliche technische Klimatisierung verzichtet werden. Das spart Energie und vermeidet aufwendige bauliche Maßnahmen. Die guten Erfahrungen der vergangenen Sommer haben die Verantwortlichen darin bestärkt, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. Kühlkleidung soll auch künftig ein wichtiger Baustein des betrieblichen Hitzeschutzes bleiben und allen Beschäftigten zur Verfügung stehen, für die sie im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung sinnvoll ist. Dass das Thema inzwischen an Bedeutung gewinnt, zeigt auch ein Blick auf andere Bereiche der Stadt: So wurde der Bauhof bereits mit kühlenden Signalwesten von E.Cooline ausgestattet, die von Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher persönlich übergeben wurden. Kleiner Temperaturunterschied mit großer Wirkung Für die Entsorgungsbetriebe der Stadt Ulm ist die Bilanz eindeutig: Die Kühlkleidung hat sich im Arbeitsalltag bewährt. Die hohe Akzeptanz bei den Beschäftigten, die einfache Handhabung und die durchweg positiven Rückmeldungen zeigen, dass die Maßnahme einen spürbaren Beitrag zur Entlastung an heißen Tagen leistet. „Die Rückmeldungen zeigen uns, dass wir mit dieser Entscheidung richtig lagen“, fasst Jürgen Schaff zusammen. Das Beispiel aus Ulm macht deutlich: Wirksamer Hitzeschutz muss nicht kompliziert sein. Oft sind es praxisnahe Lösungen, die von den Beschäftigten besonders gut angenommen werden und einen spürbaren Unterschied machen – für Gesundheit, Motivation und Sicherheit bei der Arbeit.

10 // KURZ NOTIERT KURZ NOTIERT Zusätzliche Kapazitäten // Foto: Höhenpass In unmittelbarer Nähe zum Hauptsitz hat Höhenpass in Bendorf neue, modern ausgestattete Schulungsräume für die HöhenpassAkademie eröffnet. Sie schafft zusätzliche Kapazitäten für Unterweisungen und Schulungen rund um PSAgA und Höhensicherung. Denn ob in luftiger Höhe oder beengten Räumen: Sicheres Arbeiten beginnt mit dem richtigen Know-how, und das sollte regelmäßig aufgefrischt werden. Vom PSAgA-Grundkurs bis zur Ausbildung zum betriebsinternen Ausbildenden deckt das Programm dabei sämtliche Qualifikationsstufen ab. Präventionsleitung übernommen Die Präventionsleitung der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) hat zum 1. Juli Björn Kass (Foto) übernommen. Der Diplom-Bauingenieur verfügt über mehr als 35 Jahre Erfahrung im Bauwesen sowie im Arbeitsschutz. Zuletzt leitete der 58-Jährige die Stabsabteilung Arbeitssicherheit der Porr. In seiner neuen Funktion verantwortet Kass die Präventionsarbeit der BG BAU. Ihr Ziel ist es, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren in der Bauwirtschaft und den baunahen Dienstleistungen zu verhindern. Mit einem neuen Shop-in-Shop-Konzept bei der Parkettbörse Augsburg macht Uzin Utz die Breite seines Marken- und Lösungsangebots für Kunden erstmals auf einen Blick erlebbar. Im Fokus stehen Orientierung, Beratung und Lösungen entlang der Kompetenzen der Produktmarken. Die Parkettbörse Augsburg führt seit zehn Jahren das komplette Markenportfolio von Uzin Utz und ist ein wichtiger Handelspartner des Unternehmens. Der neue Shop-in-Shop dient dabei als Pilotprojekt für eine moderne und kundenorientierte Präsentation der Uzin Utz Marken im Fachhandel. Kundenorientierte Präsentation // Foto: Uzin Utz Kundenportal modernisiert Ihr Kundenportal hat DBL – Deutsche Berufskleider-Leasing umfassend modernisiert. „Der Fokus liegt bei der neuen Oberfläche klar auf dem Kunden, damit er sich unkompliziert zurechtfindet“, sagt Christian Großkopf, DBL IT-Leitung Softwareentwicklung. Die Serviceplattform des textilen Mietdienstleisters überzeugt nun durch ein völlig neues, frisches Design. Außerdem ist es mobilfähig – die vielfältigen Funktionen können also auch problemlos von einem Smartphone oder Tablet bedient werden. Daneben können sich die Anwender über schnellere Ladezeiten freuen. // Foto: BG BAU Verantwortungsvolles Handeln // Grafik: HB Protective Wear Ein weiteres Zeichen für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln hat jetzt HB Protective Wear mit seinem Beitritt zum United Nations Global Compact gesetzt. Mit der Teilnahme an der weltweit größten Initiative für nachhaltige Unternehmensführung verpflichtet sich der Hersteller hochwertiger Schutzbekleidung, seine Unternehmensstrategie und Geschäftspraktiken an den Zehn Prinzipien des United Nations Global Compact in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umwelt und Korruptionsprävention auszurichten und deren Umsetzung kontinuierlich weiterzuentwickeln.

// 11 // Foto: Sioen Kurzbroschüre bestellen // Foto: BG Etem Fehler bei Arbeiten mit elektrischem Strom können schnell zu schweren Unfällen oder Bränden führen. Vom Prüfen elektrischer Anlagen und Betriebsmittel über das Kontrollieren der Anschlussleitungen und Baustromverteiler bis hin zum Aussortieren defekter Geräte - die BG Etem-Kurzbroschüre „Sicher arbeiten mit elektrischem Strom" gibt wichtige Tipps. Die Kurzbroschüre lässt sich u. a. über die Webseite der BG bestellen. Interaktive Erlebniswelt Mit der Eröffnung des neuen Sioen Xperience Centers in Ardooie vereint das Textilunternehmen Sioen Industries seine Marken, sein Know-how und seine innovativen Lösungen auf einzigartige Weise. In der 3.000 qm großen interaktiven Erlebniswelt entdecken Kunden, Partner und weitere Besucher die vielfältige Welt von Sioen Industries und die unterschiedlichen Aktivitäten der Unternehmensgruppe. Innerhalb dieses ganzheitlichen Erlebniskonzepts nehmen auch Synq und Sioen PRO einen zentralen Platz ein. In ihrem gemeinsamen Bereich für Workwear und Schutzkleidung lernen Besucher die Kollektionen, Einsatzbereiche und Schutzlösungen beider Marken auf interaktive Weise kennen. Wichtiger Meilenstein Mit einem Tag der offenen Tür hat Kunze seinen neuen Hauptstandort in Bruckmühl offiziell eröffnet. Der Neubau markiert einen // Foto: Kunze wichtigen Meilenstein in der Unternehmensentwicklung. Vertrieb, Vermietung, Service, Schulung, Qualitätssicherung und Verwaltung eines der führenden Anbieter für Arbeitsbühnen, Minikrane und Speziallösungen für den Höhenzugang in Deutschland arbeiten nun unter einem Dach zusammen. Für Kunden bedeutet dies vor allem schnellere Prozesse, kürzere Abstimmungswege und eine noch engere Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Fachbereichen. Industriewäsche geeignet Stay Fresh verhindert Geruch 100% verlässlicher UV-Schutz Atmungaktiv & schnelltrochnend Nachhaltig & OEKO-Tex zertifiziert In Europa gefertigt iQ-UV verstärkt die natürliche Kühlfunktion durch spezielle Fasern. iQ-COOL HITZESCHUTZ ZUM ANZIEHEN 2x 3x KÜHLER ALS NACKTE HAUT KÜHLER ALS BAUMWOLLE Das Original seit 1994 AKTIVE KÜHLUNG ERLEBE DEN UNTERSCHIED! Maximale Kühlleistung Nackte Haut Baumwolle iQ-COOL

12 // KURZ NOTIERT KURZ NOTIERT Gefahrtarif beschlossen Die Vertreterversammlung der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienzeugnisse (BG Etem) beschloss einen neuen Gefahrtarif. Er ist ab dem 1. Januar 2027 gültig und wirkt sich erstmals auf die Beitragszahlung im Jahr 2028 aus. Der neue Gefahrtarif läuft bis zum 31. Dezember 2032. Der Gewerbezweig „Textiler Service“ gehört künftig zur // Foto: BG Etem Vertriebsteam erweitert Der seit Sommer 2025 zu Singing Rock gehörende PSA-Spezialist für Absturzsicherung, Seilzugangstechnik, Höhenrettung, Baumpflege sowie Berg- und Klettersport Aliens, erweitert sein Vertriebsteam. Seit dem 1. Juni sind Wolfgang Huwe für die Vertriebsregion Nord (r.) und Tobias Bott für die Vertriebsregion Süd für die Betreuung und Weiterentwicklung des bestehenden Händlernetzwerks von Aliens verantwortlich und stehen neben Andrea Bollinger als Ansprechpartner zur Verfügung. // Foto: Camillo F. Kluge Richterspruch begrüßt Planung, Installation, Inbetriebnahme und Wartung von Photovoltaikanlagen stellen grundsätzlich Tätigkeiten zulassungspflichtiger Handwerke dar und setzen daher eine Eintragung in die Handwerksrolle voraus. So lautet ein aktuelles Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz. „Mit dieser Entscheidung bestätigt das OLG Koblenz die besondere fachliche Verantwortung und Kompetenz des Dachdeckerhandwerks bei der Planung und Ausführung von Photovoltaikanlagen auf Dächern. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Installation von PV-Anlagen grundsätzlich keine handwerksfreie Tätigkeit darstellt, sondern die erforderliche Qualifikation und Zulassung voraussetzt", begrüßte ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx den Richterspruch. Den Hauptkatalog „Sicheres Arbeiten mit Gefahrstoffen: Lagerung – Absaugung – Handling“ hat jetzt der Spezialist für Gefahrstofflagerung und -handling Asecos aktualisiert. Der überarbeitete Hauptkatalog präsentiert auf nun 500 Seiten das komplette Produktportfolio – von Sicherheitsschränken über Gefahrstoffarbeitsplätze und Zubehör bis hin zum Service-Angebot. Die Experten von Asecos vermitteln zudem wie gewohnt praxisnahes Fachwissen mit Produkte und Fachwissen Blick auf die neuesten Gesetze, Normen und Regelwerke. Der aktualisierte Katalog ist über die Homepage des Unternehmens einsehbar. // Foto: Asecos Offizieller Supplier : // Foto: Schöffel PRO Eine Partnerschaft mit Fußball-Bundesligist FC Augsburg hat jetzt Schöffel Pro geschlossen. Bis mindestens Ende der Saison 2026/2027 ist Schöffel PRO offizieller Supplier des FCA. Die Zusammenarbeit umfasst neben einer sichtbaren Präsenz im Stadion durch Bandenwerbung und Bespielung der Stadionleinwand auch gemeinsame Maßnahmen zur Vertriebsunterstützung von Schöffel PRO über die Plattformen des FCA. Ausstellungsfläche erweitert Im Oktober geht die Maintenance München in die nächste Runde. Was als Impuls aus der Instandhaltungs-Community begann, hat sich fest im Messekalender etabliert. Um der hohen Nachfrage und dem Wachstum der Branche gerecht zu werden, erweitert Veranstalter Easyfairs die Ausstellungsfläche für 2026 auf zwei Hallen im MOC München. Und: Die Online-Registrierung ermöglicht Fachbesuchern den kostenfreien Zugang zur Messe, die am 14. und 15. Oktober ihre Pforten öffnet. Gefahrtarifstelle „Wäscherei“. Grund für den Wechsel in die Gefahrtarifstelle „Wäscherei“ ist der große technische Zusammenhang beider Wirtschaftszweige und den damit verbundenen ähnlichen Risiken. Die Gefahrklasse für den „Textilen Service“ steigt durch den Wechsel von 4,10 auf 6,28.

// 13 NIE WAR STÖRLICHT- BOGENSCHUTZ DER KLASSE 2 L E I CH T E R Verbesserte Bewegungsfreiheit mit reduzierter Muskelermüdung im Arbeitseinsatz Angenehmer Tragekomfort auch bei körperlicher Anstrengung Eine Materialschicht < 320 g/m2 Geringes Volumen, gesteigerte Produktivität NEUE PYRAD® UNIFORM BY GORE-TEX LABS MIT STÖRLICHTBOGENSCHUTZ Mehr erfahren unter: goretexprofessional.com Schutzklasse 2 Geprüft und zertifiziert im Box-Test und Open-Arc-Test STÖRLICHTBOGENSCHUTZ LEICHT HOCH ATMUNGSAKTIV BEQUEME PASSFORM © 2025 W. L. Gore & Associates GmbH, GORE, GORE-TEX, PYRAD und Designs sind Markenzeichen von W. L. Gore & Associates.

14 // Auch wenn die Notwendigkeit, das Klima zu schützen, immer noch nicht überall angekommen scheint, sind es immer mehr Konsumenten und auch Hersteller, die den Nachhaltigkeitsgedanken pflegen, um den „blauen Planeten“ zu schützen und zu schonen. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, die Ressourcen zu schonen, Energie bewusst und nachhaltig zu nutzen, den CO₂-Abdruck zu reduzieren und auch entlang der Lieferkette verantwortungsvoll und respektvoll zu handeln. Dazu gibt es auf den kommenden Seiten die unterschiedlichsten Beispiele. Gleich hier mit dem symbolträchtigen Bild präsentiert Uvex sein patentiertes Hightech-Garn Bamboo Twin Flex, aus dem das Unternehmen Handschuhe fertigt. Die Schutzhandschuhe aus seidig- weicher Bambus-Viskose versprechen ein einzigartiges Trage- gefühl, das jeder zu schätzen weiß, der viele Stunden am Tag bei der Arbeit Handschuhe trägt. Die atmungsaktive Naturfaser nimmt bis zu sechsmal mehr Feuchtigkeit auf und verhindert so ein lästiges Schwitzen der Hände. Gleichzeitig bieten die Handschuhe zuverlässigen Schutz: Uvex kombiniert die natürlichen Komfortfasern mit sicherem Schnittschutz. cfk

// 15 Foto: // Uvex Safety Group "GRÜNE" LÖSUNGEN IM ARBEITSSCHUTZ

16 // TOP-THEMA N achhaltigkeit ist seit Jahrzehnten Teil der Entwicklung bei Gore Fabrics, einem der drei Geschäftsbereiche des Unternehmens Gore. Zum Unternehmen gehört auch die Marke Gore-Tex. Kerry Summers, Sustainability Integration Champion, nennt als zentrale Handlungs- felder: CO₂Reduktion, Chemikalienmanagement, Kreislaufwirtschaft und menschenrechtliche Sorgfaltspflicht. Im Gespräch mit der Redaktion geht es insbesondere um CO₂Reduktion und Zirkularität. FUNKTIONALITÄT ÜBER JAHRE HINWEG ERHALTEN Die Mode- und Textilindustrie zählt weltweit zu den ressourcenintensivsten Branchen und zeichnet für etwa zwei bis acht Prozent der alljährlichen globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. Entsprechend konzentriert sich Gore Fabrics darauf Fortschritte bei der Reduktion von CO₂-Emissionen zu erzielen, denn diese bedeuten einen Mehrwert für die Kunden. „Denn jedes Mal, wenn wir bei CO₂ einsparen, sparen ja unsere Kunden auch entsprechend CO₂ ein“, sagt Kerry Summers. Somit werden die systematisch reduzierten Klimaauswirkungen der eigenen Aktivitäten und der eigenen Wertschöpfungskette zu einem Mehrwert für die Kunden. Für die aktuellen Klimaziele im Unternehmen dient bei Gore Fabrics das Jahr 2016 als Basisjahr. Bereits 2019 wurden dann langfristige Ziele definiert. So sollten bis zum Jahr 2030 die Scope 1 und Scope 2 Emissionen um 60 Prozent, die Scope 3 Emissionen um 35 Prozent sinken, sowie eine Reduktion der Gesamtemissionen um 40 Prozent erreicht werden. „Aber in den vergangenen Jahren haben wir insbesondere bei Scope 1 und 2 erhebliche Fortschritte erzielt. Ein wesentlicher Meilenstein war die Umstellung aller unserer Fabrikstandorte auf 100 Prozent erneuerbaren Strom“, sagt Summers. „Dadurch konnten wir unser ursprüngliches Ziel einer Reduktion der Scope 1 und Scope 2 Emissionen um 60 Prozent bereits 2025 erreichen.“ Aufbauend auf diesem Fortschritt wurde das Ziel für 2030 auf 80 Prozent Reduktion nach oben geschraubt. Verstärkter Einsatz recycelter Textilien Bei Scope 3 konzentriert sich Gore Fabrics auf Materialumstellungen, zum Beispiel den verstärkten Einsatz recycelter Textilien, sowie auf die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Industrieverbänden, um die Emissionen entlang der Wertschöpfungskette zu reduzieren. „Dabei ist uns ein Aspekt besonders wichtig“, betont Summers, „unsere Emissionen sind gleichzeitig Teil der Scope 3 Bilanz unserer Kunden.“ Auf dem Weg zu einer stärker zirkulären Textilwirtschaft lautet ein wesentliches Ziel, die Rohstoffe möglichst gezielt einzusetzen und Materialien sowie Produkte so lange wie möglich im Nutzungskreislauf zu halten. Seit den späten 2000er Jahren sind recycelte Materialien Bestandteil des Consumer Produktportfolios bei Gore Fabrics. In der Kollektion Herbst-Winter 2026 / Frühling-Sommer 2027 enthalten laut Summers 78 Prozent der Bekleidungslaminate und 35 Prozent der Schuhlaminate recycelte Materialien. Neben dem Einsatz recycelter Materialien gehören Reparatur und Pflege zur Verlängerung der Nutzungsdauer sowie Ansätze, die helfen, Konsumzyklen zu verlangsamen, zu weiteren Bereichen, in denen der Hersteller in enger Abstimmung mit seinen Kunden intensiv arbeitet. PSA sollte möglichst lange funktionsfähig im Einsatz bleiben, statt sie durch neue zu ersetzen. // Fotos (3): Gore

// 17 TOP-THEMA Patches, mit denen sich kleinere und mittlere Schäden im Laminat beheben lassen.“ Ein wichtiger Baustein hierfür ist die Beteiligung von Gore Fabrics an einem Forschungsprojekt des Sports Tech Research Center der Mid Sweden University. Gemeinsam mit rund 45 Marken arbeitet das Unternehmen daran, eine einheitliche, praxisnahe Methode zur Bewertung der Langlebigkeit von wasserdichten, winddichten und atmungsaktiven Jacken zu entwickeln. Lebensdauer der Produkte verlängern „Langlebigkeit kann nur dann sinnvoll in Nachhaltigkeitsstandards, Produktentwicklung und Kaufentscheidungen einfließen, wenn sie messbar und vergleichbar ist“, sagt Summers. Bei dem Projekt werden gebrauchte Produkte aus realer Nutzung analysiert und mit Labortests kombiniert. So lässt sich besser verstehen, wie Jacken tatsächlich altern, welche Faktoren ihre Lebensdauer beeinflussen und wie sich ihre funktionale Leistung über die Zeit bewerten lässt. „Die bisherigen Erkenntnisse des Projektes zeigen“, fasst Summers zusammen, „dass Konstruktion, Pflege und tatsächliche Nutzung wichtige Einflussfaktoren auf die Lebensdauer sind. Gleichzeitig lässt der optische Zustand eines Produkts oft nur begrenzt Rückschlüsse auf seine tatsächliche Leistungsfähigkeit zu.“ Daher empfiehlt Gore Fabrics im Sinne der Nachhaltigkeit drei einfache Schritte, um die Lebensdauer der Produkte zu verlängern: Waschen, Trocknen und erneutes Aufbringen der wasserabweisenden Ausrüstung (DWR). „Diese Maßnahmen“, so verspricht Summers, „tragen wesentlich dazu bei, die Funktionalität über viele Jahre hinweg zu erhalten.“ Von Camillo F. Kluge 1 – Direkte Emissionen: Alle Emissionen aus Quellen, die sich im direkten Besitz des Unternehmens befinden oder von diesem kontrolliert werden. 2 – Indirekte Emissionen aus Energie: Emissionen, die durch die Erzeugung eingekaufter und verbrauchter Energie entstehen. 3 – Indirekte Emissionen in der Wertschöpfungskette: Umfasst alle weiteren indirekten Emissionen, die entlang der vor- und nachgelagerten Lieferkette entstehen und nicht im direkten Einflussbereich des Unternehmens liegen. Scope 1-3 Produkte lange funktionsfähig im Einsatz halten Ein wichtiger Faktor beim Thema Nachhaltigkeit ist auch bei Gore Fabrics, Produkte möglichst lange funktionsfähig im Einsatz zu halten, statt sie durch neue zu ersetzen. „Unser Anspruch ist, Produkte zunächst möglichst lange funktionsfähig im Einsatz zu halten – durch langlebiges Design, richtige Pflege, Wartung und Reparatur“, sagt Kerry Summers. Das trage dazu bei, Ressourcen effizienter zu nutzen, Abfall zu reduzieren und die mit einer Neuproduktion verbundenen Umweltauswirkungen zu verringern. Dazu gehören Produktdesign, Konstruktion, Materialauswahl, Pflege und vor allem Reparatur. Denn „wenn ein Produkt beschädigt ist, setzen wir zunächst darauf, seine Funktion wiederherzustellen und seine Nutzungsdauer zu verlängern“, sagt sie, „zum Beispiel durch Reparaturlösungen wie Mit Reparaturlösungen wie Patches lassen sich kleinere und mittlere Schäden in der PSA beheben. Gore Fabrics kooperiert in einem Projekt mit der Mid Sweden University, um eine einheitliche, praxisnahe Methode zur Bewertung der Langlebigkeit von wetterfesten Jacken zu entwickeln.

18 // TOP-THEMA Das Thema Nachhaltigkeit und Recycling beschäftigt auch den niederrheinischen Sicherheitsschuh-Spezialisten Elten. Maret Piske ist im Qualitäts- und Umweltmanagement Referentin für Nachhaltigkeit und dort auf Nachhaltigkeitskommunikation spezialisiert. Sie fungiert als Schnittstelle zwischen Qualitäts- und Umweltmanagement, Vertrieb, Marketing und Produktmanagement. Im Gespräch mit Chefredakteur Camillo Kluge erklärt sie, wie nach- haltig der Hersteller aus Uedem arbeitet. Was sind denn Ihre Aufgaben als Nachhaltigkeitsreferentin? Maret Piske: Mein Schwerpunkt liegt auf der Nachhaltigkeitskommunikation – und die ist ziemlich breit gefächert. Ich begleite zum Beispiel den Vertrieb bei Kundenterminen, wenn es konkrete Fragen in diesem Bereich gibt. Gerade bei Ausschreibungen spielt das immer häufiger eine Rolle. Kunden schicken uns dann zum Teil umfangreiche Fragebögen, etwa zur Social Compliance in der Lieferkette. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kommunikation nach außen. Durch neue gesetzliche Vorgaben wird stärker reguliert, wie wir Inhalte formulieren, um Greenwashing zu vermeiden. Da unterstütze ich das Marketing bei allen entsprechenden Materialien. Außerdem arbeite ich eng mit dem Produktmanagement zusammen, etwa beim Product Carbon Footprint, also dem CO₂-Fußabdruck einzelner Modelle. Und ich begleite Kunden, wenn sie Workshops zu diesem Themenfeld durchführen möchten. Da kommt sicher keine Langeweile auf. Auf der A+A hat Elten doch einen Schuh präsentiert, der aus recycelter Workwear hergestellt wurde. Piske: Ja, genau, das war das Timba-Modell. Im Schaft wurde ein aus alter Berufs- und Arbeitskleidung hergestelltes textiles Gewebe verwendet. Ein Projektpartner sammelte diese Textilien und verarbeitete sie anschließend zu neuem Stoff. Also nicht zu 100 Prozent ein Schuh aus recyceltem Material? Piske: Nein, so weit sind wir noch nicht. Am Anfang lag der Anteil bei rund 15 Prozent im Schaftmaterial. Inzwischen sind wir bei knapp 50 Prozent angekommen. Da hat sich also schon einiges entwickelt. Der Versuch hat somit gezeigt, dass sich das umsetzen ließe. Wir wissen inzwischen, dass es funktionieren würde, verbunden mit einem kleinen Aufpreis, weil das Gewebe aus recycelter Workwear speziell produziert werden müsste. Kleiner Aufpreis heißt? Piske: Das wären etwa vier bis fünf Euro pro Paar. Das ist überschaubar, aber eben etwas mehr. ROHSTOFFE MÖGLICHST LANGE IM KREISLAUF HALTEN In der Produktion in Uedem fallen bei der Besohlung PU- und TPU-Verschnitte an, die geschreddert und anteilig wieder in der Zwischensohle eingesetzt werden. // Fotos (2): Elten

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